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leben, technik und kommunikation

Der Technikredakteur: Artes oder Scientiae?

03.02.201818.02.2018

Eine der wichtigsten bildungspolitischen Errungenschaften des neuen Jahrtausends ist der so genannte „Bologna-Prozess“. Es geht in erster Linie um eine Angleichung der Hochschulstandards in der EU. Damit soll – wie in Standardisierungen immer angestrebt – eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse und indirekt eine größere Mobilität der Studenten erreicht werden.

Und was hat das jetzt mit Technikredakteuren zu tun? Die Idee ist so bestechend wie simpel: ein Student in Portugal kann seine Leistungen auch in Hamburg anerkennen lassen und dort sein Studium fortführen. Auch ein Student im Fach „Technische Kommunikation“ darf das. Sieht er dort nämlich keine Zukunft für seinen späteren Beruf, wechselt er einfach das Land seiner Wahl und nimmt den Abschluss oder seine Zeugnisse mit und lässt sich die ECTS-Punkte gutschreiben.

Klingt genial.

Da Vergleichbarkeit bei Abschlüssen ein ganz wesentlicher Pfeiler der freien Arbeitsplatzwahl ist, soll es dem Absolventen leicht gemacht werden, nicht in seiner Heimat in Resignation und Erwerbslosigkeit zu versinken, während nur wenige hundert Kilometer weiter die Arbeitsplätze unbesetzt bleiben.

Aber wie immer steckt der Teufel im Detail.

Denn Vergleichbarkeit bedeutet auch Messbarkeit. Was bei einem Ingenieursstudium noch einleuchtend klingt („Was ist der Unterschied zwischen Entropie und Enthalpie?“ – „Wie hoch ist Wirkungsgrad des Antriebs?“), ist in den eher „weichen“ Fächern wie den Geistes- und Sozialwissenschaften nur sehr schwer möglich. Es gibt keine Messeinheit für das Verständnis und die Erkennung gesellschaftlicher Zusammenhänge und des zwischenmenschlichen Umgangs („Welche Folgen hat die Digitalisierung auf den Ausbau und die Beschäftigungsquote im öffentlichen Nahverkehr?“ – „Wie kann ich Sie unterstützen?“).

Es gibt auch keine Messbarkeit für das Vermögen, komplexe Informationen so aufzubereiten, dass auch Laien etwas damit anfangen können. Und damit sind wir beim Technikredakteur.

Der Zwitter

Der Technikredakteur ((Ich finde diesen Begriff etwas präziser als den klassischen „Technischen Redakteur“, weil er analog zum „Sportreporter“ das Tätigkeitsfeld beschreibt und keinen Zustand. Ein Sportreporter muss nicht sportlich sein – und ein Technikredakteur muss kein Techniker sein.)) steht durch seinen Beruf zwischen den Welten, denn er soll sowohl mit den technischen Gegenständen zurechtkommen und deren Abläufe verstehen – er soll aber gleichzeitig auch in den „weichen“ Kompetenzen der Vermittlung und Didaktik bewandert sein. Das ist nicht einfach.

Auch nicht für die Hochschulverwaltungen, die den Bologna-Prozess ja umsetzen müssen: Wohin mit den Technikredakteuren? Welche Fächer muss er belegen und welche Kenntnisse muss er vorweisen können, sobald er auf die Menschheit losgelassen wird?

Im Zuge der Standardisierung kann man sich bei den Abschlüssen und damit auch bei den Inhalten des Studiums zwischen den klassischen zwei Richtungen entscheiden: entweder Kunst und Kultur oder Naturwissenschaften und Technik, Artes oder Scientiae. ((Die Frage, ob diese Unterscheidung überhaupt noch in einer post-industriellen Gesellschaft sinnvoll ist, beschäftigt die Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften auch, aber führt hier zu weit.)) Soll der Redakteur fachlich mit den Ingenieuren mithalten können oder eher die Produkte für Außenstehende erklären können? Soll er Informationen organisieren oder aufbereiten? Soll er sie korrigieren und gewichten oder soll er sie darstellen?

In der Realität pendelt der Technikredakteur irgendwo zwischen Technik, Didaktik, Prozessmanagement und Rentabilität – aber was davon passt in welcher Tiefe in seine Ausbildung?

Der Notausgang

In den Hochschulen, in denen man versucht, angehende Technikredakteure so gut es eben geht auf die Mannigfaltigkeit der beruflichen Anforderungen vorzubereiten, entscheidet man sich meist für den „B.E.“, den „Bachelor (of) Engineering“. ((Der Titel kommt nicht von ungefähr und bezeichnet den (Jung)gesellen im Gegensatz zum „Master“ (Meister) seines Fachs. Das wäre dann der „M.E.“. Diese beiden Titel waren – welch Ironie des Schicksals – in Deutschland früher den Geisteswissenschaften vorbehalten, wo man den Abschluss des „Magister/Magistra Artium“ (M.A., „Meister der Künste“) erhielt. Ingenieure galten nicht als echte Akademiker und konnten eben „nur“ ein Diplom erreichen…))

Mit anderen Worten: Nach seinem Abschluss ist der Technikredakteur mit einem „B.E.“ den Absolventen aus den Ingenieursfächern zwar nominell gleichgestellt, hat aber eben nur einen extrem flachen Blickwinkel auf die hohe Kunst der Ingenieurswissenschaften. Das wissen die Studenten und das lässt auch den Hochschulprofessoren die Haare zu Berge stehen. Ein Technikredakteur kennt sich mit Redaktionssystemen und übersetzungsgerechtem Schreiben aus. Er weiß zwar, wo bei einem PI-Diagramm oben und unten ist, und dass Herzschrittmacher nicht gut auf elektromagnetische Strahlung zu sprechen sind – aber tiefer ist er nie in die Materie vorgedrungen. Das muss er für seine Tätigkeit ja auch nicht.

Sein Job ist nicht die Konstruktion oder die Berechnung von Biegemomenten, sein Job ist die Verwaltung des Unternehmenswissens. Dafür gibt es aber nun leider keinen passenden Titel. Ob allerdings der ingenieurswissenschaftliche Anstrich durch den „B.E.“ dem Beruf des Technikredakteurs gerecht wird, ist eine berechtigte Frage.

Denn eigentlich besteht nur etwa ein Drittel der Tätigkeit des Technikredakteurs aus Fachwissen, also aus dem, was die Bezeichnung „Technikredakteur“ rechtfertigt. Einen weitaus größerer Anteil nimmt die Organisation des Wissens, seine Anreicherung durch normative und rechtliche Anforderungen und die Weitergabe an Zielgruppen ein. Das aber ist eine Tätigkeit, die weniger eine Technik im Sinne eines Handwerks ist, als vielmehr eine Kunst. Eine Kunst, die viel mit Improvisation und vernetztem Denken zu tun hat, mit „kreativem Problemlösen“, aber wenig mit Naturwissenschaften.

Die Studenten reagieren übrigens darauf, wie es eben anpassungsfähige und kreative Menschen machen: sie nutzen die wesentlich einfacheren Anforderungen des Studiums, um trotzdem am Ende mit einem „B.E.“ abzuschließen.

Mit anderen Worten: in dem Maße, wie man das Studium der „Technischen Kommunikation“ mit einem „Bachelor of Engineering“ aufzuwerten versucht, weichen Studenten darauf aus, um mit hoher Effizienz an einen ordentlichen Abschluss zu kommen, der für ihre weitere Karriere hilfreich ist. Leider wollen die meisten Studierenden nach ihrem Abschluss aber nicht Technikredakteure werden.

Ein „B.A.“ wäre dafür möglicherweise ehrlicher…

NACHTRAG: Im angelsächsischen Raum gibt es für Journalisten und „Kommunikatoren“ den „Bachelor of Arts and Journalism“ (B.A.J.).


Bild: Oxford, Divinity School

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