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Usability: Listen und Handlungen lesegerecht gestalten

05.05.2007

Eine der schlimmsten Vorstellungen des Technischen Redakteurs ist die „Brainstorming“-artige Informationsvermittlung des Programmierers oder Konstrukteurs. Die Person, die sich am besten mit den Eigenheiten der zu beschreibenden Anlage, Maschine oder Software auskennt, ist froh, einen Zuhörer gefunden zu haben, dem er sein geballtes Wissen um die Materie zu Füßen legen kann.

Schlimm deswegen, weil es in halbschriftlicher Form ohne Rücksicht auf innere Logik und Konsistenz ausgebreitet wird und die meiste Zeit damit verbringt, diesen Dschungel mit inquisitorischer Unerbittlichkeit zu durchforsten auf der Suche nach den wirklich brauchbaren Informationen, solchen, die auch für den Benutzer relevant sein können. Dem Informationslieferant einerseits darzustellen, dass man die Molekularstruktur des Werkstoffs als Leser der Dokumentation nicht wissen muss, um die Maschine einzuschalten, oder auch keine Ahnung von rekursiv ablaufenden Shell-Scripts haben muss, um eine Datensicherung durchzuführen, ist nicht immer einfach.

Hat man aber nun erfolgreich die Informationsflut bewältigt, die Untiefen erkannt, die logischen Handlungsschritte aneinander gereiht, beginnt das nächste Übel: Wie soll sich der Leser zurecht finden? Handlungsfolgen sind nicht immer linear, sondern häufig auch mit Sprüngen und Rückverweisen versehen („Falls A nicht zutrifft, lesen Sie weiter bei C.“ oder „Wenn Sie Schritt 12 bis 32 durchgeführt haben, drücken Sie „X“ und wiederholen Sie die Schritte 7 bis 12, um die Software zu konfigurieren.“)

Das kann man nur mit Bleistift – oder besser mit mehreren Buntstiften – lesen, indem man sich Markierungen an den Rand macht. Da helfen auch keine gut gemeinten Querverweise mit Seitenzahlen. Was also tun? Immerhin handelt es sich ja um komplexe und mitunter langwierige Vorgänge und Aktionen. Man kann ja nicht einfach jeden zweiten Satz streichen, um das Ganze abzukürzen, oder mehrere Sätze ineinander flechten, in der Hoffnung, dass der Benutzer, der möglicherweise während des Betriebs oder der Inbetriebnahme des Geräts unter erheblichem Stress steht, dies auch versteht. So in diesem Stil.

Ein anschauliches Beispiel der abschreckenden Wirkung langer Texte kommt aus der Online-Redaktion, die immer schon das Problem hat, dass das Lesen langer Texte am Bildschirm leichter ermüdet als auf dem Papier: Thomas Wirth, Autor von „Missing Links // Über gutes Webdesign“ nennt es den „Eisberg-Effekt“, der daraus entsteht, dass lange Seiten im Internet unter der Bildschirmunterkante verschwinden wie ein Eisberg unter der Wasseroberfläche. Was dem Webdesigner die Bildschirmunterkante ist, ist dem Technischen Redakteur das Seitenende (oder eben tatsächlich die Bildschirmunterkante bei einer schlechten Online-Hilfe, wie sie uns ein bekannter Software-Hersteller aus Redmond erzeugt: Ohne Rollrad kommen Sie nicht weit).

Auch viel Text ist mit Marginalien übersichtlicher
Das ist keine wirkliche Gebrauchstüchtigkeit, neudeutsch „Usability“. Hier kommt der Redakteur ins Spiel: Die Informationen in den Listen (letztendlich sind ja auch Handlungsschritte eine besondere Art von Liste) müssen in mundgerechten Happen zerlegt werden. Zwischenüberschriften müssen her. Selbst wenn es inhaltlich nicht rasend viel Sinn macht, lassen sich durch Zwischenüberschriften (beispielsweise in Marginalien) sehr gut Lese-Etappen markieren, die suggerieren, man habe es bereits so weit geschafft. Da darf man auch ruhig großzügig sein: zwei bis fünf Marginalien pro Seite sind durchaus angebracht.

Wie an den Sprossen einer Leiter hangelt sich der Leser damit durch den Text, kann immer wieder auf die letzte Stufe zurück springen und findet auch schneller wieder den Einstieg, wenn er einen Block überspringt.

Zielgerichtetes Lesen

Versuchen Sie den Text unter dem Gesichtspunkt des zielgerichteten Lesens zu verfassen: Sie wollen beispielsweise wissen, wie man ein Bauteil austauscht. Da bieten sich mindestens zwei Marginalien an: Ausbau des defekten Bauteils und Einbau des neuen Bauteils. Das funktioniert selbst bei kleinsten Ventilen, und auch wenn Sie beim Einbau nur hinschreiben, dass er in umgekehrter Reihenfolge zum Ausbau durchgeführt werden muss (was natürlich nur bei kurzen Handlungsfolgen Sinn macht). Automatisch kann der Leser dadurch den Ablauf in zwei serielle Sequenzen unterscheiden.

Bei parallelen Sequenzen (einer „falls – andernfalls“-Verzweigung) können Sie darüber hinaus die Marginalien (oder Zwischenüberschriften) auch als Ziele der Querverweise nutzen: „Falls Sie einen Index erstellen wollen, wählen Sie A (->), falls Sie ein Inhaltsverzeichnis erstellen wollen, wählen Sie B (->)“. (Und bei Onlinehilfen sollten die beiden topics auch auf verschiedenen Seite stehen.)

Geben Sie dem Leser die Hilfestellung, er dankt es Ihnen.

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