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Zukurzdenke

03.11.201418.09.2017

Mein Lieblingsthema: der Einsatz digitaler Medien in der Bildung. Und gerade heute war ein Beitrag in der Süddeutschen dazu mit einer Leserfrage, warum denn so wenig Computer im Unterricht eingesetzt werden. 

Und eine durchaus plausible Antwort wurde auch gleich gegeben: Technikphobie der Eltern („Sie machen sich Sorgen, dass es ihrem Kind schaden könnte, wenn es mit modernen Methoden unterrichtet wird, die noch nicht erprobt sind“) und fehlender Unternehmergeist der Verlage. Auch Lehrer, die sich mit neuen Techniken überfordert fühlen. Mal ganz zu schweigen, von den notorisch klammen Staatskassen, die gerne das Geld dort abziehen, wo nicht laut geschrieen wird. Aber dem Fass den Boden ausgeschlagen hat mal wieder Herr Manfred Spitzer, der Johann Tetzel der Zukurzdenker in den Ministerien und Elternhäusern, der aus der Merkfähigkeit der Schüler auf ihre Denkfähigkeit schließt („Alles, was man den Schülern maschinell abnimmt, haben sie auch nicht mehr im Kopf.“).

Dies schreit nach einer Replik. Hier kommt sie.

Fangen wir mal beim Einfachsten an:

  1. Verlage sind Unternehmen. Wenn sie nicht liefern, was der Markt will, gehen sie pleite. Punkt. Dem muss man keine Träne nachweinen, das gehört zur Marktwirtschaft wie das Amen in der Kirche. Dass die Verlage nur das liefern, was bestellt wird, ist ihr gutes Recht.
  2. Eltern sind um ihr Kindeswohl besorgt. Wenn man ihnen lange genug einredet, dass Auswendiglernen das höchste Gut des Staatsbürgers ist, dann glauben sie es. Schließlich wollen sie ja nur das Beste für ihr Kind und es ihm nicht unnötig schwer machen, indem sie es zu eigenständigem Denken anleiten. Letzteres ist nämlich wesentlich schwieriger als reines Pauken – und überfordert so manches Elternteil, das es selbst auch nicht kann. Der Umgang mit digitalen Medien, den sich die Kinder aneignen, wie man sich früher Kenntnisse über Sex aneignete, muss auch von den Eltern erlernt werden (wenn sie sich nicht grundsätzlich verweigern, was auch häufig vorkommt – den Medien, nicht dem Sex).
  3. Eltern sind Wähler. Und Wähler denken nicht, Wähler machen Kreuzchen. Vor allem in Bayern. Wenn man dem Wahlvolk klar macht, dass man sich schon um die Volksbildung kümmert und es das daher selbst nicht mehr tun muss, ist es dankbar und wählt die Politiker, die ihm das Denken abnimmt und das Leben dafür einfacher macht. (Es gibt zwar Eltern, die sich ärgern, wenn sie merken, dass man sie verarscht an der Nase herumgeführt hat, dies aber nicht zu einer grundsätzlichen Frage nach ihrem Wahlverhalten machen, sondern weiterhin ihr Kreuzchen an der gleichen Stelle machen und sich danach wieder ärgern.)
  4. Politiker sind überfordert. Vor allem die mit der Bildung beauftragten Politiker neigen dazu, ihre Zeit mit politischen Scharmützeln zu verbringen statt mit weitsichtigen Projekten. Bildung ist ein weitsichtiges Projekt, denn es reicht weit über die aktuelle Legislaturperiode hinaus und damit über den Zeithorizont und das Haltbarkeitsdatum zahlreicher Minister. Letztere beziehen ihr Wissen aus mehreren Quellen: der eigenen (im aktuellen Kontext veralteten) Erfahrung („Hefte? Wieso? Wir haben damals auch auf Schiefertafeln geschrieben!“), dem aus Statistiken und Wählerwanderungen gewonnenen Zahlenfundus („Die hätten mich ja nicht gewählt, wenn sie unzufrieden wären!“ – siehe dazu Punkt 3) und den „Expertisen“ ihrer Hofnarren.
  5. Und damit kommen wir zu den Pferdeflüsterern wie Herrn Spitzer. Ja was soll man da sagen? Jemand, der meint, dass man alles im Kopf behalten muss statt das Wissen sortiert und strukturiert zu verwalten, hat entweder eine Sekretärin, die er ignoriert oder aber lebt in einem Paralleluniversum ((„Als Gegner von elektronischen Helfern im Unterricht gibt Spitzer zu bedenken, dass Computer im Klassenzimmer Studien zufolge sogar schaden können – wenn man nicht dafür sorge, dass die richtige Software angeschafft werde und Lehrer auf Fortbildungen auch den richtigen Umgang damit lernen.“ Was soll man dazu sagen? Als ob es ein Problem der Software sei, was Menschen mit einem Computer machen können. So begrenzt zu sein, müsste eigentlich wehtun.)) jenseits des Informationszeitalters. Natürlich ist es für das Renommee in manchen konservativen Kreisen wichtig zu wissen, dass die Doggerbank nicht im Englischen Garten steht, wann die Krönung Karls des Großen war und durch welche Länder die Donau fließt. Ein bisschen Allgemeinbildung hat noch niemandem geschadet. Wichtiger allerdings ist zu wissen, welche Folgen und Bedeutung diese Krönung für die europäische Geschichte hatte und was es für Osteuropa bedeutet, hierzulande kein Rückhaltebecken an der Donau anzulegen. Denn sich etwas merken zu können, hat was mit Angeben zu tun, nicht mit Wissen und schon gar nicht mit Bildung oder Denken.

Vielleicht sollten wir als Eltern und Wähler beim nächsten Mal wirklich mal selbst denken, bevor wir ein Kreuzchen machen. Und wir sollten uns mal damit auseinandersetzen, dass digitale Medien auch nur ein Werkzeug unter vielen sind, mit dem unsere Kinder umgehen lernen MÜSSEN, damit sie in ihrem Leben mehr Freude haben und nicht als Zurückgebliebene des Informationszeitalters später nur noch in Paranoia versinken. Davon gibt es da draußen nämlich genügend Menschen. ((Und das bedeutet auch, dass wir uns im Umgang mit Computer und Co. von der Vorstellung verabschieden sollten, dass das so eine Art Buch mit Internetanschluss ist.))

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