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Buchtipp: Content Everywhere – Informationen auswildern

28.03.201406.03.2015

Auch wenn wir es nicht immer wahr haben wollen: Wir Redakteure sind keine Informationserzeuger, sondern Informationsverwerter. Wir sammeln und bündeln kleine Informationshäppchen, so wie Viehhüter ihre Herden einsammeln und sie zu den Weideplätzen bringen. Wir sind sozusagen die Cowboys des Informationszeitalters. Und so wie Viehhüter darauf achten müssen, dass unterwegs keines der anvertrauten Tiere verloren geht oder krank wird, so halten wir die uns anvertrauten Informationen zusammen, leiten sie mit unseren Werkzeugen in geordneten Bahnen bis zum Ziel – und dann? Ja und dann pferchen wir sie ein und gehen. Kann das alles sein? Eine Antwort darauf liefert das Buch „Content Everywhere“.

 

Weg vom Inhalt, hin zur Struktur

“If you’re a writer or editor, this book is designed to get you thinking less about pages of content and where they’ll “live” on a website, and more about the components that lend your content life. When you do, you’ll discover that the best way to keep the story, message, or meaning of your content intact isn’t to try to control how it looks on the page; it’s to give it the underlying structure that will let it be styled and used in appropriate ways wherever it goes.”

“Content Everywhere: Strategy and Structure for Future-Ready Content“,  Sara Wachter-Boettcher, Rosenfeld Media, LLC,  457 Third Street, #4R Brooklyn, New York, 11215 USA

ISBN-13: 978-1-933820-87-3

Auch wenn die Autorin Sara Wachter-Boettcher ihre Erfahrungen hauptsächlich als Beraterin für staatliche Internetauftritte gemacht hat, ist die Übertragung ihres Anspruchs auf die Technische Dokumentation vor dem Hintergrund der zunehmenden Mobilität unserer Informationen naheliegend. Denn wir erfahren mittlerweile alle, dass sich seit der explosionsartigen Vermehrung der Mobilgeräte wie Smartphones (die ja „richtiges“ HTML beherrschen) und Tablets die gedruckte Dokumentation auf dem Rückzug befindet. Auch wenn manche Leser zu Recht den haptischen Aspekt vermissen, in der Technischen Dokumentation zählt nur, die korrekte Information zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Kontext zu liefern. Kein Benutzer wird sich unsere Datenblätter und Installationsanweisungen als Bettlektüre mit nach Hause nehmen oder stundenlang nach brauchbaren Hinweisen für die Bedienung durchlesen. Informationen, die nicht innerhalb eines Zeitraums von maximal fünf Minuten gefunden werden, sind nicht vorhanden. Technische Dokumentation ist Lektüre fürs Kurzzeitgedächtnis. Und von diesem liegen dicke Leitz-Ordner sehr weit entfernt. Das Ziel muss es sein, die relevanten Informationen so schnell und präzise wie möglich bereit zu stellen, ohne sie aus ihrem Zusammenhang zu reißen.

Dazu aber müssen wir uns zunächst ihre inhärente Struktur vornehmen.

Welche Struktur?

Es geht nicht darum, einfach alle Inhalte in ihre kleinsten Bestandteile zu atomisieren, und ihnen Etiketten anzuheften, sondern auf ihren Beitrag zum Inhalt des gesamten Dokuments oder der gesamten Dokumentation hinterfragen:

„each element should be contributing something specific to the overall piece of content—or it shouldn’t be there at all.“

An der Ausgestaltung einer belastbaren Struktur müssen auch die beteiligt werden, die sich mit dem Inhalt auskennen. Und eine der wichtigsten Fragen ist die nach dem Kontext: wann und wo wird der Inhalt benutzt? Wie detailliert muss der Inhalt zergliedert werden?

„In other words, there’s no right amount of detail for your content model. There’s only finding the balance between what that content needs to do now, what you want it to do in the future, and how much you can afford to invest in both.“

Zwar ist die Zielrichtung des Buchs eindeutig die „mobile Dokumentation“, also Inhalte auf möglichst allen Kanälen ohne Anpassungsaufwand bereit zu stellen, aber dazu muss natürlich zunächst eine Struktur vorhanden sein. Messlatte ist für die Autorin dabei nicht die optisch ansprechend gesetzte Druckausgabe, sondern die schnelle Verfügbarkeit. Als Beispiel benutzt sie dabei gerne eine Website der Tourismus-Behörde des US-Bundesstaates Arizona. Der Anspruch dieser Website war, die gesamte Breite aller touristischen Angebote und Möglichkeiten miteinander zu vernetzen und anzubieten. Statt nun einfach Beiträge unsortiert auf die Seiten zu verteilen, entschloss man sich zu einem anderen Konzept: es sollten mit wenig Aufwand (Mausklicks) sowohl die Übernachtungsangebote eines Ortes, seine Freizeitangebote, die Restaurants, Kochrezepte und Einkaufsmöglichkeiten usw. erreichbar sein – auf allen Geräten, zu jeder Zeit. Da Smartphones über GPS verfügen, war es nicht mehr schwierig, diese Informationen auch ortsbezogen zu liefern, ohne dass der Benutzer seinen Aufenthaltsort angeben musste.

Für uns technische Redakteure klingt das vertraut: technische Daten, Funktionsbeschreibungen, Reparaturanleitung und Sicherheitshinweise sollen in unserer Dokumentation so miteinander verknüpft werden, dass der Leser mit möglichst wenig Aufwand an einer beliebigen Stelle in dieses Informationsnetz einsteigen kann und trotzdem alle relevanten Informationen erhält – ohne sich darin zu verlieren.

Gleichzeitig sollen diese Informationsknoten flexibel reagieren: Wenn sich in Arizona eine Buslinie ändert, müssen nicht dutzendweise Internetseiten angefasst werden – und wenn sich die Anzahl der Schrauben ändert, wollen wir Redakteure nicht alles neu schreiben müssen.

Wiederverwertung und Wiederverwendung

Gibts das auch als eBook?

Allen juristischen Vorbehalten zum Trotz steigt mit der Verbreitung der Mobilgeräte nicht nur die Anforderung an ihre Kommunikationseigenschaften (Chat, SMS, Telefon, Videochat, E-Mail), sondern auch an die Informationen, die sie bereitstellen können. Dabei ist es weniger das belletristische Buch, das dort gelesen wird (höchstens noch ein Schmöker auf dem Kindle während der Zugfahrt), sondern die praktische Information. Kochrezepte, Übersetzungen, wikipedia – das ist die Art von Information, die schnell und überall erreichbar sein soll.

Ich ertappe mich immer häufiger dabei, dass ich Sachbücher nur dann kaufe, wenn ich sie digital erhalten kann. Mein Laptop ist gleichzeitig mein Bücherregal, denn dort brauche ich diese Informationen ja auch.

Informationen sind ein Wert, kein Rest. Ihren Wert erhalten sie allerdings erst durch die Verknüpfung mit dem Kontext, denn das Wissen um den aktuellen Benzinpreis meiner nächsten Tankstelle nutzt mir beim Backen so wenig wie die Anzahl der Eier im Kuchenrezept beim Tanken. Information kann aber an mehreren Stellen Wert besitzen – dann handelt es sich nicht um eine bloße Wiederverwendung, sondern um eine Wiederverwertung.

Beim Thema „Wiederverwertung“ stößt die klassische Arbeitsweise des Technischen Redakteurs jedoch an ihre Grenzen: Während ein durchschnittliches Textverarbeitungsprogramm mithilfe von Layoutvorgaben und „Wizards“ es dem Benutzer einfach macht, einen Inhalt komplett zu erstellen, ist das Gift für die Wiederverwertung, denn Inhalte, die auf diese Weise erstellt wurde, haben nur ein kurzes Leben: Nach dem Druck kommt man kaum noch an sie heran – oder nur mit großem Aufwand.

Wir Redakteure müssen umdenken. Nicht mehr die Ausgabe auf dem Papier ist das Maß aller Dinge, sondern die Ausgabe für Mobilgeräte. Inhalte müssen auf den Punkt sein, vernetzt, flexibel und verständlich. Hier stellen die Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets durch ihre technischen Anforderungen eine Revolution dar. Sie bestimmen, was anhand der Struktur als Inhalt präsentiert wird. Papier ist nur noch ein Abfallprodukt. Das Buch hilft dabei, sich über die Anforderungen grundsätzlich Gedanken zu machen und für Herausforderungen gewappnet zu sein, die eher früher als später auf uns Redakteure zukommen. Das kann ein langer Weg sein. Aber keine Sorge:

Thinking about a content strategy for mobile isn’t just about publishing content to smartphones or tablets—it’s about using mobile as a catalyst within your organization to fix content and processes that just aren’t working today.

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