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Zwischenstand

10.10.201611.10.2016

Sich die Zeit frei einteilen zu können, zählt zu den Vorzügen der Selbstständigkeit. Das wird zumindest von den Anhängern der Selbstständigkeit gerne so propagiert, ist aber nur die halbe Miete. Denn frei ist nicht frei.

In Berufen, die dies nicht können — also beispielsweise bei Ärzten oder Supermarktangestellten, Servicetechnikern oder Busfahrern — wird dies mit neidvollem Blick bedacht: „Hach, der hat’s gut!“

Die freie Zeiteinteilung ist aber teuer erkauft: am Ende des Monats muss die Kasse stimmen, jede Stunde, die nicht verrechnet werden kann, weil man so schön im Straßencafé sitzt, tut weh. Jeder Anruf, den man verpasst, schiebt die Erledigung weiter nach hinten. Es entsteht ein hässliches Gefühl, immer etwas zu verpassen, wenn man nicht erreichbar ist. Und da dies sich bei Selbstständigen direkt auf das Einkommen auswirken kann, ist es irgendwann fast nicht mehr möglich, nicht zu arbeiten. Oder zumindest: Nicht erreichbar zu sein.

Friedrich Nietzsche klagte schon 1882: „Die atemlose Hast der Arbeit – das eigentliche Laster der neuen Welt – beginnt bereits durch Ansteckung das alte Europa wild zu machen und eine ganz wunderliche Geistlosigkeit darüber zu breiten. Man schämt sich jetzt schon der Ruhe; das lange Nachsinnen macht beinahe Gewissensbisse. Man denkt mit der Uhr in der Hand, wie man zu Mittag isst, das Auge auf das Börsenblatt gerichtet, – man lebt, wie einer, der fortwährend etwas ‚versäumen könnte‘. Die Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: der Hang zur Freude nennt sich bereits ‚Bedürfnis der Erholung‘ und fängt an, sich vor sich selber zu schämen.“
– via ZEIT ONLINE

Und weiter:

Fast die Hälfte aller Erwerbstätigen arbeitet außerhalb der regulären Arbeitszeit, viele sogar im Urlaub.
– via ZEIT ONLINE

Hier ist die Rede von Erwerbstätigen, die „lohnabhängig beschäftigt“ sind, die einen Anspruch auf Urlaub haben und mithin 12 Monate bezahlt werden, auch wenn sie nur 10 1/2 Montage arbeiten (dürfen), die sich krankmelden dürfen und auch dafür bezahlt werden, deren Chef sich überlegen darf, wem er die Arbeit aufs Auge drücken kann, wenn er sie nicht verschieben kann.

Um wieviel größer muss der Druck sein, wenn es kein Sicherheitsnetz gibt?

Natürlich ist es leicht, dagegen zu protestieren, die Exceltabelle zu zücken und auszurechnen, dass es für alle entspannter wäre, nur vier Tage in der Woche zu arbeiten, auch mal am Wochenende zu arbeiten, aber dafür in der Woche frei zu bekommen — die Arbeitszeit „gleiten“ zu lassen. Das stimmt schon. Allerdings will niemand dann auf den meist sowieso schon knapp bemessenen Lohn verzichten, von dem der Fiskus ja auch etwas sehen will.

Was rechnerisch Sinn macht, verbessert die Situation nicht: Wer fünf Tage in der Woche von seiner Arbeit frustriert ist und das Gehalt eher als „Schmerzensgeld“ betrachtet, der fühlt sich auch bei vier Tagen sinnentleerter Arbeit nicht besser.

Vielleicht ist es ratsam, mal einen Schritt zurück zu treten und sich vor Augen zu führen, dass unser Verständnis von Arbeit ein Produkt der Industrialisierung ist, etwas, das mit Ausbeutung und Mehrwert, mit Proletariat und fetten Industriebossen zu tun hat. Arbeit wird immer als Gegensatz von Freizeit gesehen, als etwas, das man machen muss, das aber keine Freude macht und nur mühsam mit Geld kompensiert wird.

Und je größer der Stress und die Anforderungen werden, desto mehr Entschädigung wollen wir bekommen. Das ist normal. Nach diesem Verständnis ist Arbeit immer Frondienst, da hilft es auch nicht, das Handy auszuschalten oder nur fünf Stunden zu arbeiten, sich gleichzeitig aber immer vor Augen führen zu lassen, auf wieviel Geld man doch verzichtet und was man sich doch alles leisten könnte, wenn man mehr arbeitet. — Und entsprechend unzufrieden zu sein mit sich und der Welt, wenn man feststellt, dieses imaginäre Ziel doch nicht erreichen zu können.

Wir haben die falschen Prioritäten.

Natürlich ist Arbeit nicht immer nur Entspannung am Pool, aber sie ist auch nicht ein ständiges Buckeln und Rackern auf kargem Boden. Arbeit — vor allem selbstbestimmte Arbeit — ist lebensnotwendig für unser Selbstwertgefühl, für unsere Zufriedenheit im Leben.

In dieser Hinsicht haben Selbstständige natürlich einen Startvorteil.
😉

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