Das „One-Size-Fits-All“ Syndrom 14.12.200207.11.2023 Woher es kommt, darf spekuliert werden: Manche behaupten, es läge an der verführerischen Programmierung der Office-Anwendungen, die es dem Benutzer erlauben sollen, alle Probleme der Textverarbeitung mit einem einzigen Programm zu lösen. Und in der Tat: es ist wirklich einfach, mit einem einzigen Mausklick in ein Textdokument ein Bild einzufügen und zu bearbeiten. Klick, klick – und schon haben wir das Ganze fertig formatiert und das Bild an der richtigen Stelle. Das geht tatsächlich so – vorausgesetzt natürlich, Sie als Benutzer halten sich an die Spielregeln, die Ihnen das Programm vorgibt: Bilder nur in einem bestimmten Format, Texte nur innerhalb enger Formatgrenzen. Und dennoch: diese Programme werden mit einer solchen Vielzahl an Vorlagen geliefert, dass sie für den normal sterblichen Anwender kaum zu überschauen, geschweige denn zu nutzen sind. Es gibt Vorlagen für Geburtsanzeigen, Stellungsgesuche inklusive Lebenslauf, Einkaufszettel und, und, und. Sie suchen das Passende aus, und das Programm nimmt Sie (durchaus wörtlich zu verstehen) an der Hand und führt Sie durch den Dschungel der Seitenlayouts, Clip-Arts und Absatzformate. Diese Vorgehensweise führt natürlich zu einer gewissen Entmündigung. Das merken Sie spätestens dann, wenn Sie selbst in den Vorlagen herumstochern, weil Sie festgestellt haben, dass Sie keine geeignete vorrätig haben. Der smarte User lädt sich dann weitere Vorlagen aus dem Internet – oder er verzichtet auf den Schnickschnack und produziert Dokumente, die den schlichten Charme einer Triumph-Adler Schreibmaschine versprühen (lachen Sie nicht, darauf habe ich auch meine erste Seminararbeit geschrieben). Das gilt dann als besonders kreativ (wohl vermutlich deshalb, weil sich Kreative so ungern in den Niederungen des Computeralltags verlieren) … „Also ich weiß ja nicht, warum man überhaupt ein Office-Paket braucht: ich mache alles mit Outlook!“ sprach mal eine freundliche Dame mittleren Alters, die mit ihren technischen Kenntnissen glänzen wollte. Und da ist es dann: das „One-Size-fits-all“ Syndrom. Spätestens dann, wenn Sie der Meinung sind, Sie könnten mit einer Textverarbeitung wie Word auch Bilder bearbeiten oder – fortgeschrittenes Stadium – Sie könnten mit einer Layoutsoftware wie FrameMaker auch Zeichnungen anfertigen, dann sind Sie Opfer des Systems. „Natürlich, das geht doch!“, werden Sie entrüstet sagen, mache ich doch immer so und bisher hat sich noch niemand beschwert. Sicher, es geht. Umgekehrt kann es natürlich auch sein, dass Sie einer Art freiwilliger Selbstbeschränkung unterliegen: wenn es mit dem Programm nicht geht, dann geht es eben überhaupt nicht. Diese Einstellung ist durchaus verständlich. Denn um einen annähernd professionellen Output zu erzeugen, brauchen Sie meist mehr als drei unterschiedliche Programme, deren Vorzüge Sie kennen und miteinander kombinieren müssen. Oft sind es mehr: eine Textverarbeitung, mit der Sie den Text erfassen, eine Bildbearbeitungssoftware, mit der Sie Bilder optimieren, eine Grafiksoftware, mit der Sie Zeichnungen bearbeiten, und ein Layoutprogramm, mit dem Sie die Teile zusammen setzen. Wenn Sie jetzt bei der Ausgabe nicht nur Ihren Drucker beschäftigen und beispielsweise PDF oder HTML erstellen wollen, für die Sie nochmals Programme benötigen (auch wenn viele Programme HTML exportieren können, haben sie noch lange keine Internetseite), dann läppert es sich, auch finanziell. Da ist es nur zu verständlich, wenn man mit einem Programm möglichst viel auf einmal erledigen möchte. Der Lernaufwand, den es im Vorfeld zu treiben gilt, um einen ordentlichen Output hinzubekommen, ist erheblich – abgesehen von dem zusätzlichen Nachbesserungsaufwand bei Updates. Und kaum haben Sie ihren „Fuhrpark“ zusammen gestellt, kommt eine neue Version eines Programms und kann noch viel mehr; mit dem Resultat, dass Sie den bisherigen Arbeitsablauf überdenken müssen. Grauenhafte Vorstellung. Also flüchten wir uns in die Bequemlichkeit und warten darauf, bis wir das Stadium einer „mentalen Symbiose“ mit dem Programm unserer Wahl erreicht haben: wir können alles, was das Programm auch kann. Was sonst noch alles möglich ist, interessiert nicht. Leider, denn nicht nur, dass wir uns damit eigentlich geistig kastrieren, führt diese Einstellung auch dazu, alles andere abzulehnen, mit dem wir unser eigentliches Ziel doch noch erreichen könnten. Aber Mittelmaß muss ja nicht unbedingt immer sein, oder? 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