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Pinocchio und Grundeinkommen

23.02.201115.08.2021

Eine kleine Ankündigung bei heute.de hat mich neugierig gemacht auf einen Beitrag zu einem Thema, das ich für sehr wichtig halte bei der Konzeption zukünftiger Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle: das Grundeinkommen. Wie man es nun nennt, ist egal — die Absicht ist immer die Gleiche: Jeder Mensch hat Anspruch auf ein Einkommen, das ihm ermöglicht, an dieser Gesellschaft teilzunehmen. Und zwar unabhängig davon, ob er Arbeit hat oder nicht.

Das Problem beginnt da schon: Was ist Arbeit? Pflastersteine kloppen oder Geldscheine rumschubsen? Für andere Menschen Doktorarbeiten zusammenkopieren oder deren Kinder beaufsichtigen? So lange wir nicht geklärt haben, was eigentlich Arbeit ist, läuft auch das beliebte Gegenargument ins Leere: „Warum sollten Menschen arbeiten, wenn sie sowieso ein festes Einkommen hätten?“ Ja, warum arbeiten Menschen eigentlich überhaupt?

Warum tun sie es für Geld? Worüber sich Gegner dieses „Grundeinkommens“ immer beschweren, nämlich dass dann nicht genügend Anreiz zur Verfügung stünde, entpuppt sich schnell als eine sehr alte Form des Misstrauens gegenüber sich selbst: Menschen arbeiten nicht nur für Geld (auch wenn es die Gegner dieses Konzepts gerne so hätten und sich meist in als neoliberale Nachfolger eines britischen Utilitarismus verstehen, in dem der Mensch als eine selbstbestimmte Maschine agiert). Menschen arbeiten für Anerkennung. Diese Anerkennung kann sich in Geld ausdrücken, muss es aber nicht.

Im Gegenteil, sobald Anerkennung als Rechengröße verstanden wird, kommt es zur Vergleichbarkeit und damit zum Neid und zur Missgunst. Sobald meine Leistung sich nur noch über Geld definiert, kann ich nie genug davon bekommen und stelle sie ein, sobald ich kein Geld mehr erhalte. Die Realität zeigt aber das Gegenteil: alleine der riesige Bereich der unentgeltlich erbrachten Überstunden, der Vereinstätigkeiten und Nachbarschaftshilfe — und nicht zuletzt der Hauswirtschaft — zeigen, dass nur der kleinste Teil dessen, was wir als „Arbeit“ bezeichnen, auch mit Geld entlohnt wird.

Ein Grundeinkommen würde das vielleicht wieder vom Kopf auf die Füße stellen: Wir arbeiten dann nicht für unser Existenzminimum und befinden uns dadurch in einem dauernden Verdrängungswettbewerb mit Niedriglohnländern, sondern wir arbeiten, weil es unser Leben bereichert. Mir scheint, dass dieses Verständnis den Gegnern eines Grundeinkommens völlig fremd ist. Dort herrscht nackte Angst, der Mensch könne aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit aufwachen und und nicht mehr wie eine Marionette am Faden des Lohngebers hängen.

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