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Patentkampf

01.09.201201.09.2012

Die patentrechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Apple und Samsung mögen für ein paar nette Schlagzeilen herhalten, sie sorgen jedoch außerhalb der Szene für Unverständnis: „Warum können die nicht einfach ihre Geräte herstellen und sie dann verkaufen?“
Ich bin kein Jurist, aber ich sehe da als Kulturwissenschaftler einen größeren Zusammenhang, den ich nachfolgend umreißen möchte. Zunächst geht es augenscheinlich darum, dass Apple sich in seinen Bemühungen untergraben sieht, innovative Produkte herzustellen und diese dann in großen Stückzahlen zu verkaufen, bevor die Konkurrenz etwas Ähnliches zu einem dann vielleicht günstigeren Preis auf den Markt wirft. Das ist im Fall des iPhone auch geschehen: Als Apple 2007 das iPhone vorstellte, haben alle außerhalb der Firma den Kopf geschüttelt: Wie kann das gutgehen? Die kennen sich auf dem Markt der Telekommunikationsanbieter überhaupt nicht aus, die können doch gegen die großen mit Erfahrung wie Nokia oder RIM (Research in Motion) gar nicht an. Selbst Steve Ballmer, Vorstandsvorsitzender von Microsoft ätzte „You must be kidding!“.

Nun, der Erfolg war so groß, dass Apple gar nicht so viele iPhones herstellen konnte, wie nachgefragt wurden. Hatte man anfangs noch etwa 10 Millionen Stück pro Jahr angepeilt, sind daraus mittlerweile mehr als 20 Millionen pro Quartal geworden. Und Nokia oder RIM? Wer nicht sofort auf den Smartphone-Zug aufsprang, verschwand in der Versenkung.
Dabei ist es nicht alleine die Hardware, die den Siegeszug auslöste, sondern das Zusammenspiel aus Hard- und Software, die ein echtes „Smartphone“ ausmachen. So waren die etablierten Hersteller darauf angewiesen, nicht nur schicke und leistungsfähige Smartphones herzustellen, bei denen schon äußerlich die Verbraucher immer das iPhone als Maßstab anlegten, sondern auch die Software anzupassen — ein gigantisches Unterfangen, in dem die etablierten Hersteller sich eigentlich überhaupt nicht auskannten. Das war immer schon Apples Domäne gewesen.
Also griff man erleichtert zu, als Google die Gelegenheit nutzte und ein Smartphone-Betriebssystem auf Basis des kostenlosen Linux entwickelte (Android) und es den Herstellern anbot. Für lau.
Das sparte immense Entwicklungskosten. Kein Wunder, dass der damalige Apple-Vorstandsvorsitzende explodierte und Google mit einem „nuklearen“ Krieg drohte. Apple hatte in die Entwicklung des iPhones Milliarden investiert und die Hersteller kamen jetzt für lau dran — und konnten das eingesparte Geld direkt an die Telekommunikationsanbieter weitergeben, die unter den Vorgaben Apples gelitten hatten. ((Bislang war es so gewesen, dass die TK-Anbieter die Features und Technik der Telefone diktierten. Apple drehte den Spieß um, in dem Wissen, dass nur die perfekte Integration von Hard- und Software für die einzigartige Benutzererfahrung (UX) verantwortlich war. Daher auch die enge Anbindung des „App Store“.))
Während sich Google als amerikanisches Unternehmen aber eine gewisse Mühe gabe, zumindest nicht alles einfach zu kopieren, was der Pionier aus Cupertino so vorlegte, sahen das die ostasiatischen Anbieter (vor allem der größte, Samsung) nicht so eng: Es gibt in vielen ostasiatischen Kulturen kein unmittelbares Verständnis für „Innovation“, für das Wagnis, etwas radikal Neues zu tun, mit dem hohen Risiko des Scheiterns. In Asien wird kopiert: Autos (wer den ersten Toyota von einem frühen Horch unterscheiden kann, ist ein Experte), Schuhe (Adidas und Nike stöhnen seit Jahren über die Konkurrenz aus Fernost, die ihre Forschungsarbeit und den Aufwand einfach nachmacht). Und jetzt eben Apple.
Es ist der amerikanische Traum des Pioniers, der hier gegen den Effizienzgedanken steht: Samsung hat wahrscheinlich nicht mal den Ansatz eines schlechten Gewissens, dass man mit fast identischen Produkten den Stolz und das Selbstverständnis der „westlichen“ Kultur herausfordert. Samsung sieht, dass seine Produkte nicht mehr gefragt sind, schaut sich um und orientiert sich fast sklavisch am Branchenprimus. Das ist in der Kutlur tief verwurzelt, das ist nichts Persönliches. Als Japan der technologische Fixpunkt war, hat man sich an Japan orientiert, als die Mandschu China und Korea besetzt hatten, trug man lange Zöpfe. Der Bambus biegt sich eben im Wind. Samsung kann gar nicht anders.
Apple aber auch nicht.
Sie haben das geahnt und sich rechtzeitig mit Patenten eingedeckt („Boy have we patented it!“, S. Jobs), aber wohl nicht mit der Unverfrorenheit der Koreaner gerechnet. Da prallen jetzt zwei Kulturen aufeinander. Und das wird so lange weitergehen, bis einer klein beigibt.

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