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leben, technik und kommunikation

A bauble—a naught.

05.01.202014.02.2020

Über die Hybris der industrialisierten Zivilisation

Gerne hätte ich als Technikredakteur etwas geschrieben, was meine Hoffnung in die unvorstellbaren Fähigkeiten des Menschen unterstreicht, sich auch in den ausweglosesten Situationen etwas einfallen zu lassen, das ihm hilft, sich gegen alle Widrigkeiten durchzusetzen. ((Man bekommt eine Vorstellung davon, wenn man bedenkt, dass ein genialer Komponist wie Beethoven die meisten seiner Symphonien gar nicht hören konnte – er hat sie taub komponiert, sie ausschließlich in seinem Kopf gehört.)) Das kann er – als Mensch. Bedeutend schwieriger dagegen ist es, sich als Gesellschaft anzupassen, weil ihm dabei das „soziale Dilemma“ in die Quere kommt: Wieviel Eigennutz kann man zurücknehmen, damit das Gemeinwohl nicht leidet?

Gerade uns Deutsche hat man ja in der Geschichte schon häufiger mit einem vorgeblichen „Gemeinwohl“ in Kriege geschickt, die eigentlich nur dem Eigennutz einer kleinen gesellschaftlichen Gruppe dienten.

Angesichts einer drohenden Umweltkatastrophe, die durch uns in den industrialisierten Ländern heraufbeschworen wird, stellt sich die Frage nach dem Eigennutz umso stärker: Ist es wirklich wichtiger, dass der Benzinpreis niedrig ist, wenn dafür unsere eigenen Kinder zusammen mit Millionen anderer Menschen darunter leiden werden? Ist es nicht auch in unserem persönlichen Interesse, wenn eine Zivilisation den immensen Herausforderungen standhält, die auf sie zukommen? Wenn wir auch morgen friedlich in unseren Betten schlafen können – ohne Furcht vor gewalttätigen Verteilungskämpfen um Wasser und Nahrung?

Aber wie kam es dazu, dass wir nun vor der Dekadenaufgabe (und mehr Zeit haben wir nicht) stehen, unsere Zivilisation so zukunftsfest zu gestalten, dass wir nicht in Chaos und Anarchie versinken, wie bisher alle Zivilisationen vor uns? Wie konnten wir uns in diese Lage bringen, die dem Eigennutz so viel mehr Gewicht beimisst als dem Gemeinwohl? Die den persönlichen Konsum und das nationale Wirtschaftswachstum als wichtigsten Wohlstandsfaktor darstellt?

Ich hatte vor Jahren schon angedeutet, dass ich eigentlich recht froh darüber bin, dass unsere Vorfahren in dieser Region der Welt vor 200 Jahren das Mittelalter verließen und die Neuzeit begannen (siehe Acht Generationen), aber wir sind dabei vermutlich zu weit gegangen. ((Interessanterweise lässt sich hier ein Zyklus ausmachen, der etwa alle 200 Jahre zahlreiche Gesellschaften komplett umkrempelt. An dieser Kante stehen wir jetzt auch wieder.))

Wir haben uns eingebildet, dass wir mit unserem Geld und unserer Industrie in der Lage sein werden, den Elementen dauerhaft zu trotzen und die Erde zu beherrschen. Wir haben gedacht, dass sich Mensch und Natur dauerhaft den Gesetzen der Marktwirtschaft beugen müssen, wenn wir nur genug produzieren.

Welch eine Hybris!

Mir geht dabei seit Jahren eine Ballade von Theodor Fontane (1819-1898) nicht aus dem Kopf, der die Hybris des Menschen anprangert, sich die Welt zu unterwerfen, und dann doch kläglich scheitert und unsägliches Leid heraufbeschwört: „Die Brück‘ am Tay“ (1879)

Die Brück‘ am Tay

When shall we three meet again?
Macbeth

„Wann treffen wir drei wieder zusamm‘?“
„Um die siebente Stund‘, am Brückendamm.“
„Am Mittelpfeiler.“
„Ich lösch die Flamm‘.“
„Ich mit.“
„Ich komme vom Norden her.“
„Und ich vom Süden.“
„Und ich vom Meer.“

„Hei, das gibt ein Ringelreihn,
und die Brücke muß in den Grund hinein.“
„Und der Zug, der in die Brücke tritt
um die siebente Stund‘?“
„Ei, der muß mit.“
„Muß mit.“
„Tand, Tand
ist das Gebilde von Menschenhand.“

Auf der Norderseite, das Brückenhaus –
alle Fenster sehen nach Süden aus,
und die Brücknersleut‘, ohne Rast und Ruh
und in Bangen sehen nach Süden zu,
sehen und warten, ob nicht ein Licht
übers Wasser hin „ich komme“ spricht,
„ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug,
ich, der Edinburger Zug.“

Und der Brückner jetzt: „Ich seh einen Schein
am andern Ufer. Das muß er sein.
Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum,
unser Johnie kommt und will seinen Baum,
und was noch am Baume von Lichtern ist,
zünd alles an wie zum heiligen Christ,
der will heuer zweimal mit uns sein, –
und in elf Minuten ist er herein.“

Und es war der Zug. Am Süderturm
keucht er vorbei jetzt gegen den Sturm,
und Johnie spricht: „Die Brücke noch!
Aber was tut es, wir zwingen es doch.
Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf,
die bleiben Sieger in solchem Kampf,
und wie’s auch rast und ringt und rennt,
wir kriegen es unter: das Element.

Und unser Stolz ist unsre Brück‘;
ich lache, denk ich an früher zurück,
an all den Jammer und all die Not
mit dem elend alten Schifferboot;
wie manche liebe Christfestnacht
hab ich im Fährhaus zugebracht
und sah unsrer Fenster lichten Schein
und zählte und konnte nicht drüben sein.“

Auf der Norderseite, das Brückenhaus –
alle Fenster sehen nach Süden aus,
und die Brücknersleut‘ ohne Rast und Ruh
und in Bangen sehen nach Süden zu;
denn wütender wurde der Winde Spiel,
und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel,
erglüht es in niederschießender Pracht
überm Wasser unten… Und wieder ist Nacht.

„Wann treffen wir drei wieder zusamm‘?“
„Um Mitternacht, am Bergeskamm.“
„Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm.“
„Ich komme.“
„Ich mit.“
„Ich nenn euch die Zahl.“
„Und ich die Namen.“
„Und ich die Qual.“
„Hei!
Wie Splitter brach das Gebälk entzwei.“

„Tand, Tand
ist das Gebilde von Menschenhand“

The Bridge by the Tay

(When shall we three meet again?—MACBETH)

“WHEN shall we three meet again?”
“The dam of the bridge at seven attain!”
“By the pier in the middle. I’ll put out amain
the flames.”            
“I too.”
 “I’ll come from the north.”
“And I from the south.”
“From the sea I’ll soar forth.”

“Ha, that will be a merry-go-round!
The bridge must sink into the ground.”
“And with the train what shall we do
That crosses the bridge at seven?”
“That too.”
“That must go too!”
“A bauble, a naught,
What the hand of man hath wrought!” 

The bridgekeeper’s house that stands in the north—
All windows to the south look forth,
And the inmates there without peace or rest
Are gazing southward with anxious zest.
They gaze and wait a light to spy
That over the water “I’m coming!” should cry,
“I’m coming—night and storm are vain—
I, from Edinburg the train!”

And the bridgekeeper says: “I see a gleam
On the other shore. That’s it, I deem.
Now, mother, away with bad dreams, for, see,
Our Johnnie is coming!—He’ll want his tree.
And what is left of candles, light
As if it were on Christmas night!
Twice we shall have our Christmas cheer—
In eleven minutes he must be here.”

It is the train, with the gale it vies
And panting by the south tower flies.
“There’s the bridge still,” says Johnnie. “But that’s all right:
We’ll make it surely out of spite!
A solid boiler and double steam
Should win in such a fight, ’twould seem!
Let it rave and rage and run at its bent—
We’ll put it down: this element!

And our bridge is our pride. I must laugh always
When I think back of the olden days,
And all the trouble and misery
That with the old boat used to be.
And many cheerful Christmas nights
I spent at the ferryman’s house—the lights
From our windows I’d watch and count them o’er,
And could not reach the other shore.”

The bridgekeeper’s house that stands in the north—
All windows to the south look forth,
And the inmates there without peace or rest
Are gazing southward with anxious zest:
More furious grew the wind’s wild games,
And now, as if the sky poured flames,
Comes shooting down a radiance bright
O’er the water below.—Then all is night. 

“When shall we three meet again?”
“At midnight the top of the mountain attain!”
“By the alder-stem on the high moorland plain!”
“I’ll come.”
“And I too.”
“And the number I’ll tell.”
“And I the names.”
“I the torture right well.”
“Whoo!
Like splinters the woodwork crashed in two.”

“A bauble—a naught.
What the hand of man hath wrought!”


Bildnachweis: https://i.kinja-img.com/gawker-media/image/upload/t_original/k3hkfkfdxavgv4i4hbsj.jpg

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