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Innovation made in Germany: Die Arzneibohrmaschine

12.09.200607.04.2020

 

Wir sind ein Land der Denker. Innovation ist uns in die Wiege gelegt. Das merke ich bei meinen Kindern immer wieder. Innovation kann man nicht lernen, man kann Menschen nicht dazu erziehen, innovativ zu sein, schon gar nicht unter Druck. Innovation ist ein kreatürlicher Prozess, der ein Umfeld benötigt, das ihm Raum lässt.

Auf den Schultern von Riesen
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Man kann das Gleichnis Auf den Schultern von Giganten zum einen auf Bernhard von Chartres um 1130 zurückführen, der dabei angeblich ein Zitat von Lucan aufgriff: Pigmaei gigantum humeris impositi plusquam ipsi gigantes vident (Auf die Schultern von Riesen gestellte Pygmäen sehen mehr als die Riesen selbst).

Innovation
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Innovation heißt wörtlich „Neuerung“ oder „Erneuerung“. Das Wort ist von den lateinischen Begriffen novus „neu“ und innovatio „etwas neu Geschaffenes“ abgeleitet. Im Deutschen wird der Begriff heute im Sinne von neuen Ideen und Erfindungen sowie für deren wirtschaftliche Umsetzung verwendet.

Fundstellen im Netz zum Thema:

  • Telepolis: Innovatives Eigentor

Leider ist der Begriff der Innovation bereits besetzt mit Wirtschaftlichkeitserwägungen, mit Machbarkeitsdenken; besetzt von Leuten, die als abhängig Beschäftigte – also ohne unternehmerisches Risiko – eigentlich mit Innovation so gar nichts zu tun haben. Mit dem Begriff der Innovation verdienen irrsinnig wenig Menschen irrsinnig viel Geld, indem sie Entscheidungen fällen, die irrsinnig viele Menschen um ihre Beschäftigung bringen, um am Ende irrsinnig wenig produziert zu haben, das die Menschheit wirklich braucht.

Was Innovation aber wirklich bedeutet, zeigt das folgende Beispiel. Ich habe die Unterhaltung mit meinen zwei Kindern im Spielzimmer nachgestellt.

K2 (2 Jahre, der Ingenieur der Familie) kommt mit einem Konstrukt aus Lego in der Hand zu mir: »Papa, tuck mal: Ich habe eine Ahzneibohmaschine!«

Es sieht aus wie ein Turm mit einem langen Arm oben auf. Außerdem hat er Probleme bei der Aussprache des »R«. Liegt vermutlich am Schnuller, den er morgens nicht aus dem Mund nimmt. Immer noch besser als der Daumen, denn dann könnte er nicht bauen.

Papa: »Das ist ja ein tolles Ding. Was machst Du denn damit?«

K1 (5 Jahre, Creative Directorin der Familie): »Hihi, eine Arzneibohrmaschine! Das sieht ja komisch aus!«

Sie schaut manchmal herablassend auf die handwerklichen Fähigkeiten ihres Bruders herab. Dafür ist sie eine hervorragende Zeichnerin. Mit anderen Worten: Born to design.

K2: »Damit tann man bohen!«

Papa: »Und was bohrst Du damit?«

K2: »Ich bohe damit Wände!«

K1, die Idee aufgreifend: »Bohrst Du nach Arznei?«

K2: »Ja, ich spitze in die Wand.«

Vermutlich hat er mal mitbekommen, dass man Bohrwasser nehmen kann, damit der Bohrer nicht überhitzt. Verdammt, sollte die Sendung mit der Maus diese Wirkung haben?

Papa (immer noch skeptisch): »Aha. Und dann?«

Diesmal K1: »Ja, dann spritzt man in die Wand, damit der Schmutz beim Bohren zusammenklebt. Den kann man dann sammeln und zu kleinen Kugeln formen, in die man ein Loch bohrt und eine Kerze hineinsetzt. Die zündet man an. Wenn man nun hustet, fliegen die Bakterien in das Licht hinein, laufen in der Kerze hinunter bis in die Kugel, wo sie festkleben und sterben.« Das war eigentlich schon das komplette Design.

Papa: »Das hört sich ja ganz doll an. Wie sieht denn das aus? Kannst Du das aufzeichnen? Ich baue mit K2 mal den Prototypen neu zusammen.« In der Zwischenzeit war K2 bei den ersten Feldversuchen das Konstrukt auseinander gefallen. Zu K2: »Was brauchen wir denn für die Arzneibohrmaschine?«

K2: »Einen Dücker zum Einschalten. Und einen Motoh, aber nur ein leiser.« Er fürchtet sich vor lauten Maschinen, im Tiefbau wird er daher vermutlich nie glücklich werden.

Papa: »Den Schalter brauchen wir, aber Du meinst sicher eine Pumpe, damit wir das Spritzwasser herausspritzen können?« Ich muss ihm schon ein wenig helfen, sonst lernt er nur die falschen Sachen. Immerhin kann man sich als Ingenieur nur durch Fachwissen Respekt verschaffen. »Bevor wir das bauen, zeichne ich das auf. Du kannst mir dann sagen, wo ich das hinmalen soll.« Jetzt gehen wir in die Konstruktion.

In der Zwischenzeit hat K1 die erste Seite fertig gestellt, da fällt ihr ein, dass die gesamte Produktionskette noch nicht fertig ist. Sie nimmt ein neues Papier und erklärt mir, was sie da malt.

Ich habe anhand dieser Erklärungen das Draft eingescannt und stelle es hiermit der Menschheit unter den Bedingungen der GPL zur Verfügung. So wie es sich gehört. Schließlich stehen wir alle auf Schultern von Riesen.

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