iCloud: Heiter bis wolkig

Schon mehr­mals habe ich mich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren mit ver­schie­de­nen Ange­bo­ten zu die­sem The­ma beschäf­tigt, wobei immer die Benut­zung und Benutz­bar­keit im Vor­der­grund gestan­den hat. Das soll auch so blei­ben. Vor allem wenn ich mir jetzt mal einen Kan­di­da­ten anschaue, der zwar auf­grund sei­ner Hard­ware für die­ses The­ma prä­de­sti­niert ist, aber sich eigent­lich nicht beson­ders nach vor­ne gedrän­gelt hat: Apple und sei­ne iCloud. Hier ist näm­lich schon der Name Pro­gramm.

Das „i“ vor dem Namen ist mitt­ler­wei­le zu einem Mar­ken­zei­chen gewor­den seit der ers­te iMac 1998 in die Schau­fens­ter kam und neben sei­nem völ­lig neu­en Aus­se­hen vor allem die Ein­fach­heit bewor­ben wur­de, mit dem man damit ins Inter­net kam. Das war beab­sich­tigt, denn die­se Rech­ner waren für den Nor­mal­an­wen­der kon­zi­piert: lie­ber weni­ger Leis­tung und mehr Kom­fort. Die Reso­nanz gab Apple Recht: Nicht nur, dass der knub­be­li­ge Com­pu­ter die Fir­ma vor dem Ruin bewahr­te, er stell­te – aller­dings nur im Nach­hin­ein zu erken­nen – die Fir­ma dort auf, wo sie noch heu­te steht. Nicht der ein­zel­ne Rech­ner mit Hard­ware bestimmt sei­nen Wert, son­dern die Mög­lich­kei­ten, damit erfolg­reich und mög­lichst unkom­pli­ziert zu kom­mu­ni­zie­ren und zu arbei­ten. Damit ist sich die Fir­ma aus Kali­for­ni­en bis heu­te treu geblie­ben, denn jede Hard­ware und Soft­ware, die danach kam, wur­de gra­du­ell auf genau die­sen Anspruch hin wei­ter­ent­wi­ckelt.

Ob Lap­tops, die auf eine völ­li­ge Schnitt­stel­len­re­duk­ti­on set­zen (aktu­el­le Mac­Book-Rech­ner besit­zen nicht ein­mal mehr ein CD/DVD-Lauf­werk), oder Hard­ware, die mit gera­de­zu lächer­lich gerin­ger Fest­plat­ten­ka­pa­zi­tät aus­kom­men muss (der aktu­el­le Mac Pro hat gera­de ein­mal 1 GB Fest­plat­ten­spei­cher) – sie alle leben davon, dass sie an ein schnel­les Netz­werk ange­schlos­sen wer­den, in dem dann gro­ße Ser­ver ihren Dienst tun und den not­wen­di­gen Lager­raum für Daten bereit­stel­len. Ohne Netz­werk sind die­se Rech­ner nicht mehr viel wert, denn dann kön­nen sie nicht mehr kom­mu­ni­zie­ren. Dies gilt natür­lich erst recht für die Mobil­rech­ner iPho­ne und iPad, die seit sie­ben Jah­ren das Hard­ware- und Soft­ware-Design, selbst die kom­plet­te Ver­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on der Fir­ma dik­tie­ren. Zu der „klas­si­schen“ Hard­ware wie Rech­ner, Smart­pho­nes und Tablets gesel­len sich wei­te­re Diens­te, die vor allem von den Mög­lich­kei­ten des Inter­nets pro­fi­tie­ren: App Store, iTu­nes – und die iCloud.

iCloud Dienste

In der Stan­dard­ver­si­on ist die iCloud mit 5 GB Spei­cher­platz kos­ten­los und kann damit von jedem genutzt wer­den, der einen Inter­net­an­schluss besitzt. Theo­re­tisch. Prak­tisch macht es natür­lich erst dann Sinn, wenn auch die Hard­ware vor­han­den ist, die die­se Daten abru­fen kann. Apple-Hard­ware natür­lich, denn nur auf die­ser lau­fen die Pro­gram­me (Apps), die die­se Daten nut­zen. Und damit ist auch klar, wer die iCloud bezahlt: nicht der Wer­be­kun­de, son­dern jeder Käu­fer eines Apple-Geräts.

Die Über­sichts­sei­te des iCloud-Accounts

Was bekommt man denn nun in der Wol­ke? iCloud ver­folgt meh­re­re Zie­le gleich­zei­tig:

  1. Kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­te. Das bedeu­tet nichts wei­ter, als dass alle E‑Mails, die über einen iCloud-Account lau­fen, alle Kalen­der, alle Erin­ne­run­gen, alle Adres­sen und alle Noti­zen zwi­schen allen Apple-Gerä­ten syn­chro­ni­siert wer­den kön­nen, die mit die­sem Account ange­mel­det sind. Außer­dem kön­nen sie direkt auf dem Ser­ver im Inter­net eben­falls benutzt wer­den. Eine E‑Mail, die auf dem Mac geschrie­ben und in den Ord­ner „Ent­wür­fe“ ver­scho­ben wird (statt sie zu sen­den), ist auch dort auf einem iPho­ne oder im Inter­net-Brow­ser auf der iCloud-Web­sei­te zu fin­den. Glei­ches gilt für die Kalen­der und Ter­mi­ne, die Adres­sen, Erin­ne­run­gen und Noti­zen. Die iCloud ist dadurch eine Art „Micro­soft Out­look“ für Pri­vat­an­wen­der.
  2. Daten­mi­gra­ti­on. Zusätz­lich zu den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­ten bie­tet die iCloud auch Daten­ab­gleich an, der selbst von Dritt­an­bie­tern genutzt wer­den kann. Die iCloud dient dadurch als Zwi­schen­la­ger für ver­schlüs­sel­te Daten wie sie bei­spiels­wei­se Out­bank oder Omni­Fo­cus benutzt. Oder sie dient mit Hil­fe der „Navi­ga­ti­ons­diens­te“ auch zum Auf­fin­den des iPho­nes, des iPads oder des Mac-Com­pu­ters. Da die­se Diens­te bis auf „Mein iPho­ne“ im Hin­ter­grund ablau­fen, fal­len sie meist erst dann auf, wenn das iPho­ne mit Hil­fe des Inter­nets gefun­den, gelöscht oder wie­der­her­ge­stellt wer­den soll.
  3. Arbeits­platt­form. Ähn­lich wie Goog­le mit dem Goog­le-Dri­ve oder Micro­soft mit dem Sky­Drive hat auch Apple eine Lösung im Ange­bot, die auf die eige­nen Pro­gram­me auf­setzt: iWorks. Die­ser Aspekt ist etwas umfang­rei­cher, wes­we­gen er eine eige­ne Über­schrift ver­dient.

iWorks

Die Idee, ähn­lich wie ande­re gro­ße Soft­ware-Unter­neh­men Doku­men­te über das Inter­net zur Bear­bei­tung frei­zu­ge­ben, ver­folgt auch Apple schon län­ger. Bereits vor Jah­ren hat­te man ein eige­nes Office-Paket bestehend aus Schreib­pro­gramm („Pages“), Tabel­len­ver­ar­bei­tung („Num­bers“) und Prä­sen­ta­ti­on („Key­note“) ent­wi­ckelt, das den Namen „iWorks“ trägt. Auf­merk­sa­men Lesern wird jetzt gleich auf­ge­fal­len sein, dass kei­nes der genann­ten Pro­gram­me ein „i“ im Namen hat. Rich­tig. Alle Pro­gram­me wur­den – viel­leicht auch aus Trotz – zur glei­chen Zeit in Angriff genom­men, als sich Micro­soft mit sei­nem Office-Paket vom Mac-Betriebs­sys­tem zu ver­ab­schie­den droh­te. Die Benut­zer­ober­flä­che die­ser Pro­gram­me ist daher auch teil­wei­se radi­kal anders als man es von Office-Pro­gram­men gewohnt ist (Pro­gram­me wie Open­Of­fice bzw. Libre­Of­fice wir­ken ja eher wie nach­pro­gram­mier­te Klo­ne des Platz­hir­schen, Micro­soft Office).

Das gesam­te Paket ent­stand daher zunächst als Soft­ware, die nur mit den Rech­nern zu nut­zen war, die auch OS X instal­liert hat­ten. Erst mit der Pro­gram­mie­rung für die iOS-Gerä­te (iPod touch, iPho­ne und iPad) bekam die­ses Paket einen gewal­ti­gen Schub, denn nun konn­ten die Daten per Daten­mi­gra­ti­on mit­ein­an­der syn­chro­ni­siert wer­den: Eine Zahl, die man in einer Num­bers-Tabel­le auf dem iPho­ne anpass­te, war Minu­ten spä­ter auch auf dem Mac geän­dert. Auf­grund der unter­schied­li­chen Hard­ware konn­ten jedoch nicht alle Mög­lich­kei­ten der Pro­gram­me genutzt wer­den, so dass immer nur der kleins­te gemein­sa­me Nen­ner der Doku­men­te syn­chro­ni­siert wur­de – und ent­spre­chend Ver­lus­te auf­tra­ten.

Das hat Apple seit weni­gen Mona­ten kom­plett umge­stellt.

Wie zu erwar­ten, ging ein Auf­schrei durch die Nut­zer­ge­mein­de, als Apple im Okto­ber 2013 kur­zer­hand allen iWorks-Pro­gram­men nach Jah­ren der Sta­gna­ti­on ein kos­ten­lo­ses Upgrade spen­dier­te, aber gleich­zei­tig alle Funk­tio­nen her­aus­nahm, die bei der Syn­chro­ni­sa­ti­on nicht erhal­ten blie­ben. Mit ande­ren Wor­ten: iWorks auf dem Mac ver­lor an Nutz­bar­keit. Schon frü­her hat­te Apple mit den ers­ten iMacs und dem Ver­zicht auf ein Flop­py-Lauf­werk bewie­sen, dass man sich nicht scheu­te, alte Zöp­fe abzu­schnei­den auch wenn das Jam­mern groß wer­den konn­te. So auch bei iWorks. Denn neu hin­zu­ge­kom­men ist die iden­ti­sche Bear­bei­tung aller iWorks-Doku­men­te in der iCloud.

Die Bear­bei­tung von Doku­men­ten im Inter­net stellt Ent­wick­ler vor gewis­se Schwie­rig­kei­ten, denn was in einem Pro­gramm mit Hil­fe der Pro­gram­mier­soft­ware mög­lich ist, muss im Inter­net durch HTML, Java­Script und Kon­sor­ten auch funk­tio­nie­ren. Dum­mer­wei­se ver­fü­gen die­se Inter­net­pro­gram­me (ich zäh­le der Ein­fach­keit hal­ber auch HTML dazu) jedoch über einen weit gerin­ge­ren Funk­ti­ons­um­fang. Was auf dem Deskop mit ein paar Zei­len Code gemacht ist, erfor­dert im Inter­net kom­pli­zier­te Abfra­gen zwi­schen Ser­ver und Brow­ser. Da dies aber für alle „Web-Appli­ka­tio­nen“ (wie vor allem Goo­g­les „Text und Tabel­len“) gilt, hat man sich dar­an gewöhnt, dass eben bestimm­te Funk­tio­nen dort nicht zur Ver­fü­gung ste­hen. Die­ser Mini­ma­lis­mus mag für Goog­le genü­gen, die ein­fach alle Pro­gram­me in der Cloud hal­ten – für Apple ist das nichts, denn man hat ja schon Pro­gram­me für die Hard­ware, die die Ansprü­che höher gesetzt haben. (Die­sen Anspruch hat auch Micro­soft mit Sky­Drive.)

So also hat man bei Apple die Schreib­tisch-Pro­gram­me auf eine Inter­net-fähi­ge Funk­tio­na­li­tät zusam­men­ge­stri­chen und macht den Brow­ser und sei­ne Fähig­kei­ten damit zum Maß aller Din­ge. Es spielt Apple natür­lich dabei in die Hän­de, dass nicht nur die Inter­net­an­bin­dung der Benut­zer immer schnel­ler wird (und man dadurch auch grö­ße­re Daten­men­gen schnell über­tra­gen kann), son­dern dass auch die Inter­net­stan­dards in den letz­ten Jah­ren gewal­ti­ge Fort­schrit­te gemacht haben. Was heut­zu­ta­ge im Brow­ser mög­lich ist, hät­te noch vor fünf Jah­ren nie­mand für mög­lich gehal­ten.

Vor­la­gen in der iCloud und auf dem Rech­ner

Ein neues Dokument in der iCloud

Wie sieht das nun prak­tisch aus? Schrei­ben wir doch ein­fach mal einen Text in der iCloud und schau­en ihn uns dann auf dem Mac an.

Die ers­te Ein­schrän­kung: Pages (die Text­ver­ar­bei­tung) ist der­zeit nur auf Eng­lisch ver­füg­bar und noch im Beta-Sta­di­um, da Apple in den kom­men­den Mona­ten noch Erwei­te­rung vor­nimmt.

Die Benut­zung, das fällt sofort auf, ist sehr an einem „ech­ten“ Pro­gramm aus­ge­rich­tet und hat wenig mit einem Brow­ser zu tun. Vor dem Anle­gen eines neu­en Doku­ments muss man näm­lich gleich eine Vor­la­ge aus­wäh­len. Die­se Vor­la­gen wir­ken extrem kom­plex und pro­fes­sio­nell. Neh­men wir jetzt mal einen Lebens­lauf für eine Bewer­bung. Wie auch in der Mac-Ver­si­on sind die Bedien­ele­men­te auf der rech­ten Sei­te (was bei den aktu­el­len Breit­wand­bild­schir­men durch­aus gerecht­fer­tigt ist, aber nicht dem übli­chen Office-Look ent­spricht) und kön­nen ein- und aus­ge­blen­det wer­den. Abhän­gig vom gewähl­ten Text­ele­ment (Text, Text­be­reich, Bild etc. wech­seln die Bedien­ele­men­te, so dass die Benut­zer­ober­flä­che wesent­lich spar­ta­ni­scher wirkt, als sie es ist. Apple-typisch.

Span­nen­der wird es, wenn gra­fi­sche Ele­men­te hin­zu­kom­men sol­len. Frei­for­men etwa oder Bil­der. Aber auch hier funk­tio­niert die Soft­ware wie ein Schreib­tisch­pro­gramm: Bil­der zieht man ein­fach vom Com­pu­ter in das Doku­ment, ver­schiebt sie und kann auch das Aus­se­hen ver­än­dern. Wie auf dem Schreib­tisch und extrem schnell.

Und was pas­siert jetzt, wenn das Doku­ment mit Pages (oder einem ande­ren Pro­gramm) geöff­net wer­den soll? Nun, mit Pages syn­chro­ni­siert iCloud ja auto­ma­tisch. Für Word muss man das Doku­ment als eine Kopie spei­chern. Dann kon­ver­tiert der Ser­ver das Pages-Doku­ment in das älte­re *.doc-For­mat für Micro­soft Word und lädt es auf die Fest­plat­te. Mit dem Ergeb­nis kann man durch­aus leben, wenn man berück­sich­tigt, dass nicht alle Schrif­ten, die auf dem Mac ange­bo­ten wer­den, auch auf dem Win­dows-Rech­ner instal­liert sind. Stan­dard­mä­ßig benutzt Pages die Hel­ve­ti­ca Neue, wo Word mit Ari­al arbei­tet. Mit ande­ren Wor­ten: Die Schrift muss man anpas­sen, dann wird es brauch­bar. Die For­men aller­dings lei­den, da die Auf­lö­sung unter­durch­schnitt­lich ist. Bil­der hin­ge­gen sind kei­ne Pro­ble­me.

Und Pages? Wie zu erwar­ten, passt das Doku­ment lücken­los, so dass man auf den ers­ten Blick fast gar nicht zwi­schen der Inter­net-Ver­si­on und der Com­pu­ter-Ver­si­on unter­schei­den kann.

Der Ver­gleich: iCloud, Pages und Word

Fazit

Kom­pa­ti­bi­li­tät vor Fea­turi­tis. Der Ansatz, auf allen Gerä­ten kom­pa­ti­ble Doku­men­te bereit­stel­len zu kön­nen, hat zwar zur Fol­ge, dass man­che Funk­tio­nen nicht mehr funk­tio­nie­ren (und nur viel­leicht noch nach­ge­rüs­tet wer­den), dafür aber auf allen Gerä­ten, die Apple ver­kauft, zu einem naht­lo­sen Benut­zer­erleb­nis füh­ren sol­len. Apple-typisch.