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leben, technik und kommunikation

Kreatives Problemlösen oder die Kunst, Plätzchen zu backen

24.12.202108.01.2022

Wir leben in einer Gesellschaft, die immer komplexer wird: kein Mensch kann das Wissen, das wir in den letzten Jahrzehnten angehäuft haben, noch überblicken. Als Menschheit verfügen wir über mehr Wissen und Möglichkeiten als je zuvor. Wir können sogar mit hoher Zuverlässigkeit die nahe Zukunft vorhersagen – sofern sie nicht von menschlichem Verhalten abhängt.

Wir wissen, was passieren wird, wenn wir zuviel Kohlendioxid und Methan in die Atmosphäre blasen, wir wissen, was passieren wird, wenn wir keine Vorkehrungen gegen eine Virenerkrankung treffen, und wir wissen, was passieren wird, wenn wir die Hand auf die heiße Herdplatte legen – selbst wenn wir es noch gar nicht ausprobiert haben. Wir sind nicht mehr auf Märchen, Anekdoten oder Hörensagen angewiesen, wir müssen keiner Telegramgruppe oder Vertreter eine Religion mehr „glauben“, wir können es (zumindest theoretisch) überprüfen, nachvollziehen, berechnen oder verifizieren. Wir sind als Menschhheit in der Lage, Fakten und Fiktion auseinanderzuhalten, auch wenn Einzelne damit manchmal Schwierigkeiten zu haben scheinen. Wir sind aufgeklärt – wenn wir wollen.

Selbst das Backen von Weihnachtsplätzchen ist kein Geheimnis mehr, bei der man Hilfe eines Schutzheiligen anfleht, sondern ein berechenbares Zusammenspiel aus Chemie und Physik. ((Wenn es nicht berechenbar wäre, könnten wir Plätzchen nicht industriell herstellen. Maschinen reagieren im Allgemeinen auf eindeutige Vorgaben und nicht auf Beschwörungsformeln…))

Nach dem rezeptgetreuen Zusammenkneten des Teigs muss er ruhen, bevor er ausgerollt werden kann. Diese Pause ist nicht nur für die Qualität und Bindekraft des Teigs wichtig, sondern auch für seine gleichmäßige Durchfeuchtung. Plain Science. Das Ausrollen wiederum sollte möglichst mehlsparend erfolgen, jedoch ohne dass der Teig kleben bleibt.

Die Qualität des Ergebnisses – hier: Plätzchen – hängt aber nicht nur von der Qualität der Zutaten ab, sondern auch vom eingesetzten Werkzeug und vor allem von den ineinander greifenden Schritten beim Backen. In den meisten Haushalten ist die Küche der Ort mit den meisten Werkzeugen: von Kühlschrank über Kaffeemaschine bis zum Küchenmixer und computergesteuerten Backautomaten – eine Küche ist vollgestopft mit Technik und Werkzeugen, die nicht nur bedient, sondern auch sinnvoll eingesetzt werden müssen.

Kochen und Backen stellen daher nicht nur enorme Herausforderungen an die Werkzeuge als Technik, sondern auch an die Organisation. Das bedeutet, dass neben den physikalisch-chemischen Prozessen auch der Einsatz der Hilfsmittel von entscheidender Bedeutung für das Ergebnis sind. Das beste Werkzeug und die besten Zutaten nützen nichts, wenn die Prozesse nicht dazu passen.

Mit anderen Worten: „nur mal schnell ins Wasser oder in die Pfanne werfen“ funktioniert nur bei ganz wenigen Lebensmitteln. ((Auch wenn beispielsweise eine Tiefkühlpizza tatsächlich keinen großen Anspruch an die Kochkunst stellt, liegt es daran, dass die meisten Schritte der Zubereitung bereits vorher in komplexen industriellen Herstellungsprozessen stattgefunden haben. Outsourcing sozusagen…)) Bei Weihnachtsplätzchen dagegen ist Outsourcing ohne Qualitätseinbußen fast nicht möglich. Sie stellen sozusagen das „High-End“ der Backkunst dar. Auch in prozesstechnischer Hinsicht.

Beim Ausstechen des gleichmäßig ausgerollten Teigs hängt die Wahl der verwendeten Ausstechformen von der Konsistenz und Dicke des Teigs ab. Darüber hinaus sollte möglichst wenig „Verschnitt“ entstehen, da der Teig erneut ausgerollt wird und dabei zunehmend Mehl aufnimmt.

Das Ziel des Backens ist die Ressourcenschonung, vor allem der Ressourcen Zeit, Energie und Zutaten. Die Optimierung auf diese drei Parameter bestimmt die Reihenfolge und Durchführung der Arbeitsschritte:

  1. Teig zubereiten. Hier ist die Rezepttreue oberste Pflicht, vor allem die Verhältnisse der Grundzutaten Mehl, Fett und Zucker zueinander. Fehler an dieser Stelle machen den Unterschied zwischen leckeren Weihnachtsplätzchen und ungenießbaren Mehlklumpen. Bei den weiteren Zutaten ist dann Erfahrung und Einfallsreichtum und Gewohnheit gefragt.
  2. Teigverarbeitung. Einfach zusammenkneten reicht nicht, der Teig muss eine Konsistenz haben, die sich vor allem aus der Erfahrung speist: gleichmäßige Durchmischung und Elastizität erfordern viel Übung und „Fingerspitzengefühl“.
  3. Ruhedauer und Temperatur. Der Teig muss Zeit bekommen, damit die Zutaten miteinander reagieren können, vor allem die Gewürze. Das bedeutet auch, dass man einen Teig über Nacht kühl lagert und nicht erst kurz vor dem Backen zusammenmatscht. Das heißt aber auch, dass das Backen bereits rechtzeitig beginnen muss mit dem Kneten am Vortag. Dieser Spielraum ist kritisch für die Qualität des Ergebnisses.
  4. Ausrollen und Ausstechen. Diese beiden Handlungsketten verlaufen rollierend, und zwar unabhängig vom eigentlichen Backen im Ofen. Die Verarbietungsgeschwindigkeit bestimmt den gesamten Backprozess. Ein Teigstück wird passend ausgerollt und möglichst effizient ausgestochen, die Rohplätzchen werden platzsparend auf ein leeres Blech gelegt, die Teigreste werden mit einem neuen Teigstück ergänzt, wieder ausgerollt und ausgestochen, bis das Blech voll ist. Dann wird das nächste freie Blech belegt.
  5. Backen und Auskühlen. Vor dem Ausstechen muss der Ofen bereits vorgeheizt werden, damit er beim Einschieben der ersten Plätzchen bereits Betriebstemperatur hat. Da moderne Öfen über Umluft verfügen und somit die Temperatur im Backraum überall konstant ist, können auch mehrere Bleche eingeschoben werden – sinnvollerweise in einem kurzen zeitlichen Abstand, denn sobald die Plätzchen gebacken sind, müssen sie runter vom Blech und auf einem Gitter auskühlen, damit das Blech frei wird für das nächste Belegen.
Die Rohplätzchen dürfen weder zu eng liegen, damit sie gut vom Blech genommen werden können und nicht zerbrechen, noch zu weit auseinander, damit möglichst viele gleichzeitig gebacken werden können. Außerdem ist die Verwendung eines Backpapiers hilfreich, denn dadurch kleben die Plätzchen nicht fest und können schneller vom Blech herunter genommen werden.

Die Abschnitte 4 und 5 sind eigentlich zwei getrennte Kreisläufe, die zeitlich ineinander passen müssen, um die Ofentemperatur möglichst konstant zu halten und nicht unnötig viele Bleche zu belegen oder zu überwachen.


Natürlich kann man auch Plätzchen backen, indem man eher „nach Gefühl und Wellenschlag“ vorgeht, das Ergebnis eher vom Zufall abhängt und der Genuss eine Frage der Widerstandsfähigkeit der Geschmackspapillen ist – aber in diesem Beitrag geht es darum, dass Komplexität nicht Kompliziertheit bedeutet. Und dass mit einem Verständnis für komplexe Prozesse wie Plätzchenbacken auch andere Prozesse im Alltag auf einmal gar nicht mehr so schwierig und kompliziert erscheinen – Prozesse wie gesellschaftliche und individuelle Anpassung an Veränderungen wie den Klimawandel.

Denn wir können das.

Und wenn man sich vor Augen hält, dass diese Prozesse nicht nur bei Weihnachtsplätzchen täglich millionenmal auf der Welt durchgeführt werden, wird sehr schnell klar, wie groß der evolutionäre Abstand ist, der uns von unseren nächsten Artgenossen trennt.

Wir Menschen sind in vielerlei Hinsicht noch sehr nahe am Affen dran. Bei der Zubereitung von Nahrungsmitteln haben wir sie aber weit hinter uns gelassen. Und auch bei der Transformation unserer Zivilisation haben wir ihnen einiges voraus. Das beweisen beispielsweise Weihnachtsplätzchen…

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