Buch­be­spre­chung: „Die gro­ße Trans­for­ma­ti­on“

Bei Titeln mit dem Adjek­tiv „groß“ soll­te man immer etwas skep­tisch sein, denn groß ist oft nur der Anspruch, aber nicht der Inhalt. In die­sem Fall aller­dings ist der Titel durch­aus gerecht­fer­tigt, denn es geht um unse­re Zivi­li­sa­ti­on.

Um es noch breit­spu­ri­ger zu for­mu­lie­ren: es geht dar­um, unse­re Zivi­li­sa­ti­on vor­zu­be­rei­ten auf die Ver­än­de­run­gen, die in den kom­men­den Jahr­zehn­ten ein­tre­ten wer­den. Ein „wei­ter so“ gibt es nicht mehr. Gera­de im Hin­blick auf glo­ba­le Pro­ble­me wie Arten­schwund und Kli­ma­kri­se haben wir in dem wohl­ha­ben­den Län­dern des Glo­bus sehr lan­ge auf eine For­set­zung unse­rer Erfolgs­ge­schich­te gesetzt: mehr Indus­trie, mehr Geld, mehr Wirt­schaft und mehr „Wohl­stand“. Gera­de mit dem Ver­weis auf Letz­te­res haben wir in unse­rem Schne­cken­haus vie­le Fol­gen die­ser Lebens­wei­se und Hal­tung über­se­hen: Ob Ver­nich­tung loka­ler Märk­te im glo­ba­len Süden mit hoch­sub­ve­n­io­nier­ten Über­schüs­sen aus dem Nor­den oder zuneh­men­de sozia­le Unge­rech­tig­kei­ten in unse­ren Gesell­schaf­ten, wo die Sche­re zwi­schen Arm und Reich in den letz­ten Jahr­zehn­ten bis­lang unvor­stell­ba­re Aus­ma­ße ange­nom­men hat – das Gewe­be der aktu­el­len sozia­len Struk­tu­ren, die eine funk­tio­nie­ren­de Gesell­schaft und die glo­ba­le Zivi­li­sa­ti­on zusam­men­hal­ten soll, ist bis zum Zer­rei­ßen gespannt. Und das spü­ren wir alle, die täg­lich Nach­rich­ten sehen, hören oder lesen, die sich mit Kol­le­gen und Freun­den unter­hal­ten: Vie­le füh­len sich über­for­dert, ange­spannt und flüch­ten sich in Igno­ranz oder träu­men von einer glo­ri­fi­zier­ten Ver­gan­gen­heit, die es so nie gab.

Das geht nicht gut, was hier pas­siert.“

Das Ein­ge­ständ­nis, dass der Sta­tus Quo weder nach­hal­tig noch sinn­voll oder gar für alle Men­schen erstre­bens­wert sei, kriecht durch unse­ren All­tag und macht uns miss­mu­tig oder gar ego­zen­trisch.1 Gleich­zei­tig fehlt uns aber eine Erzäh­lung, die Idee oder gar ein Plan, wie wir per­sön­lich und als Gesell­schaft oder gar als Zivi­li­sa­ti­on aus die­ser Lage wie­der her­aus­kom­men sol­len. Und wir Men­schen sind auf Erzäh­lun­gen („Nar­ra­ti­ve“) ange­wie­sen: Unser All­tag, unser gesam­tes sozia­les Wesen beruht auf Erzäh­lun­gen von gemein­sa­men Zie­len, Wer­ten und Idea­len. Nur schei­nen die­se nicht mehr zusam­men­zu­pas­sen.

Dabei gibt es seit vie­len Jah­ren immer wie­der gro­ße und klei­ne Erzäh­lun­gen aus vie­len Berei­chen unse­res Lebens, die für sich genom­men durch­aus Sinn erge­ben – ob Ver­kehrs­kon­zep­te oder Ener­gie­er­zeu­gung, Ernäh­rungs­si­cher­heit und ‑qua­li­tät, Gleich­be­rech­ti­gung und Teil­ha­be, Bil­dung und Aner­ken­nung. Die­se Erzäh­lun­gen sind aber oft schwer zu fin­den oder wider­spre­chen sich auch teil­wei­se, so dass sie im All­tag nur punk­tu­ell auf­schim­mern oder gleich auf Ableh­nung sto­ßen, weil sie gera­de nicht pas­sen.

Uwe Schnei­de­wind2 hat in einem recht umfang­rei­chen Buch (gedruckt immer­hin über 500 Sei­ten) ver­sucht, alle die­se Kon­zep­te und Erzäh­lun­gen zu sor­tie­ren und zu struk­tu­rie­ren. Auch wenn es flüs­sig und sehr anschau­lich geschrie­ben ist: ein Buch mit Lebens­weis­hei­ten à la „100 Tipps wie Sie Ihre Woh­nung auf Vor­der­mann brin­gen“ darf man nicht erwar­ten. Im Gegen­teil: Allei­ne die Anzahl der Kapi­tel (es sind 23) und die Lite­ra­tur­lis­te ist für Unbe­darf­te fast eine Zumu­tung. So wie man kei­ne schnel­len Ant­wor­ten auf spe­zi­el­le Fra­gen des Lebens erwar­ten darf, muss man sich als Leser auf eine hef­ti­ge Ein­stiegs­hür­de ein­las­sen: die The­men sind ein Par­force­ritt durch fast alle Erkennt­nis­se der Wirt­schafts­leh­re, der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten und der Nach­hal­tig­keits­for­schung der letz­ten 30 Jah­re.

Die­ses Buch ist nichts für Ein­stei­ger, son­dern eher für Men­schen, denen die her­kömm­li­chen Geh­ver­su­che der Kli­ma­kri­sen­li­te­ra­tur und Gesell­schafts­kri­tik nicht tief genug gehen. So geht es im Buch auch nicht dar­um, wel­che Maß­nah­men not­wen­dig oder über­flüs­sig sind, um bei­spiels­wei­se eine oder gleich bei­de der ein­gangs erwähn­ten Kri­sen der kom­men­den Jahr­zehn­te (Bio­di­ver­si­tät und Kli­ma) mit ein­fa­chen poli­ti­schen Mit­teln zu bekämp­fen oder gar zu been­den. Der Titel „Die Gro­ße Trans­for­ma­ti­on“ nimmt sich gleich des Gan­zen an: nicht Her­um­dok­tern an Sym­pto­men, son­dern die Fra­ge, wie sich eine Zivi­li­sa­ti­on so umge­stal­ten lässt, dass sie nicht durch ihre selbst­er­zeug­ten Kri­sen an sich selbst schei­tert. So fin­den sich auch kei­ne Rat­schlä­ge auf bestimm­te par­tei­po­li­ti­sche Maß­nah­men – was ja auch auf­grund des glo­ba­len Rah­mens des Buchs unmög­lich ein­zu­lö­sen ist, son­dern kul­tu­rell-gesell­schaft­li­che Ansät­ze, das Pro­blem bei den Hör­nern zu packen: Wir haben kei­ne Kli­ma­kri­se oder eine Bio­di­ver­si­täts­kri­se, kei­ne Glaub­wür­dig­keits- oder Wirt­schafts­kri­se, wir haben eine Zivi­li­sa­ti­ons­kri­se. So wie dem Kli­ma unse­re Pro­ble­me egal ist, ste­hen nicht eine natur­wis­sen­schaft­lich gut begründ­ba­re Tem­pe­ra­tur­schwel­le und ein Koh­len­stoff­aus­stoß­bud­get zur Dis­po­si­ti­on, son­dern die Errun­gen­schaf­ten der mensch­li­che Zivi­li­sa­ti­on der letz­ten 10.000 Jah­re – gute wie schlech­te.

Das ist eine gro­ße Haus­num­mer. Schnei­de­wind spricht daher auch von „Zukunfts­kunst“, die er fol­gen­der­ma­ßen defi­niert:

Zukunfts­kunst bezeich­net die Fähig­keit von Poli­tik, Zivil­ge­sell­schaft, Unter­neh­men, Wis­sen­schaft und allen Pio­nie­ren des Wan­dels, grund­le­gen­de Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se von der kul­tu­rel­len Visi­on der Nach­hal­tig­keit her zu den­ken und von dort insti­tu­tio­nel­le, öko­no­mi­sche und tech­no­lo­gi­sche Per­spek­ti­ven zu ent­wi­ckeln. Getra­gen ist ein sol­cher Ansatz von der Zuver­sicht, dass Zukunft mit­ge­stalt­bar und nicht ledig­lich das Ergeb­nis tech­no­lo­gi­scher und öko­no­mi­scher Dyna­mi­ken ist.

(Die Gro­ße Trans­for­ma­ti­on, Teil A: Ansatz)

Eines der größ­ten Hin­der­nis­se, von denen bei­spiels­wei­se auch Micha­el E. Mann spricht3, sind die enor­men Behar­rungs­kräf­te der aktu­el­len Zivi­li­sa­ti­ons­pro­zes­se, die einer­seits in den letz­ten 200 Jah­ren die Auf­klä­rung und Indus­tria­li­sie­rung, Glo­ba­li­sie­rung und ein bis­lang für unmög­lich gehal­te­nes Bevöl­ke­rungs­wachs­tum ermög­licht haben, ande­rer­seits aber ihre eige­nen Lebens­grund­la­gen zer­stö­ren, indem wir unse­ren Pla­ne­ten weit über das rege­ne­ra­ti­ve Maß hin­aus aus­beu­ten.

https://​stock​holm​re​si​li​en​ce​.org/​r​e​s​e​a​r​c​h​/​p​l​a​n​e​t​a​r​y​-​b​o​u​n​d​a​r​i​e​s​/​t​h​e​-​n​i​n​e​-​p​l​a​n​e​t​a​r​y​-​b​o​u​n​d​a​r​i​e​s​.​h​tml, sie­he auch Johan Rock­ström et al.: https://​steadys​ta​te​.org/​w​p​-​c​o​n​t​e​n​t​/​u​p​l​o​a​d​s​/​2​0​0​9​/​1​2​/​R​o​c​k​s​t​r​o​m​_​N​a​t​u​r​e​_​B​o​u​n​d​a​r​i​e​s​.​pdf

Der Begriff der „Zukunfts­kunst“ ist aller­dings nicht zufäl­lig gewählt, denn gera­de in satu­rier­ten Gesell­schaf­ten des glo­ba­len Nor­dens hat sich neben einem Unbe­ha­gen über eine feh­len­de Nach­hal­tig­keit auch eine Wursch­tig­keit breit­ge­macht, die Ansicht, dass es „uns“ hier­zu­lan­de als Letz­te tref­fen wird und in der Zwi­schen­zeit irgend­ei­ne Lösung ent­wi­ckelt wird, mit der wir uns an unse­ren eige­nen Haa­ren aus dem Sumpf zie­hen kön­nen. Dass die­se Ansicht natür­lich unsin­nig ist, wie wir eigent­lich täg­lich erfah­ren, wenn win­zi­ge Viren die Pro­duk­ti­on von Com­pu­ter­chips in Chi­na lahm­le­gen und es zu glo­ba­len Ver­sor­gungs­eng­päs­sen kommt, führt lei­der nicht zur Erkennt­nis, dass pla­ne­ta­re Gren­zen selbst­re­dend für alle Men­schen gel­ten.

Umge­kehrt führt eine unun­ter­bro­che­ne Beschal­lung mit Hiobs­bot­schaf­ten über die Glet­scher­schmel­ze und den tau­en­den Per­ma­frost oder bren­nen­den Urwald oft nur dazu, dass wir uns ange­sichts der Grö­ße der Pro­ble­me als hilf­los und unfä­hig emp­fin­den – selbst wenn wir die­se Pro­ble­me nicht igno­rie­ren.

Zu lan­ge waren Tei­le der Nach­hal­tig­keits-Com­mu­ni­ty »Trans­for­ma­ti­ons­an­alpha­be­ten« und glaub­ten dran, dass die Welt sich schon ändern wür­de, wenn wir die Grö­ße der öko­lo­gi­schen und Ent­wick­lungs­her­aus­for­de­run­gen nur plas­tisch genug beschrei­ben, tech­no­lo­gi­sche Lösun­gen und dazu pas­sen­de Poli­cy-Emp­feh­lun­gen vor­le­gen. … Ein gro­ßer Trug­schluss der Umwelt­de­bat­te in den letz­ten 30 Jah­ren war die Hoff­nung, dass sich eine öko­lo­gi­sche Wen­de im Wesent­li­chen mit einem tech­no­lo­gi­schen Inno­va­ti­ons­pro­gramm in der bestehen­den Wirt­schafts­ord­nung umset­zen lässt.

(Die Gro­ße Trans­for­ma­ti­on, Teil A: Ansatz und Kapi­tel 5: Dop­pel­te Ent­kopp­lung – Jen­seits der »Grü­nen Öko­no­mie«)

Die­se Fehl­an­nah­me4 hat zu einer gefähr­li­chen Schief­la­ge geführt: sie hat die Unzu­frie­den­heit genährt und – befeu­ert durch popu­lis­ti­sche Tritt­brett­fah­rer – den Ein­druck eines Kon­troll­ver­lusts ver­mit­telt, der „mit den öko­no­mi­schen Neben­fol­gen der aktu­el­len Wirt­schafts­ord­nung frei­heit­li­che Demo­kra­tien immer mehr gefähr­det“. Wei­ter­ma­chen wie bis­her ist dadurch eben­so aus­ge­schlos­sen wie eine dik­ta­to­ri­sche Vor­ga­be durch Regie­run­gen.5 Die­sem Selbstent­mach­tungs­di­lem­ma frei­heit­li­cher Gesell­schaf­ten ver­sucht Schnei­de­wind ent­ge­gen­zu­tre­ten mit einer Betrach­tung der „Mög­lich­keits­räu­me“, also dem Nach­spü­ren von Kon­zep­ten und Initia­ti­ven in allen Sek­to­ren des öffent­li­chen Lebens, die eine posi­ti­ve Ein­stel­lung gegen­über der Gestalt­bar­keit der Zukunft eint. So kom­plex die Pro­ble­me sind, so kön­nen sie auch nicht mit unter­kom­ple­xen Lösungs­an­sät­zen besei­tigt wer­den.

Letzt­lich sind die Idea­le einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft genau die, die auch das Kon­zept einer Nach­hal­ti­gen Ent­wick­ling tra­gen … Denn auch eine Nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung ist von der Idee der glei­chen Rech­te aller Men­schen auf per­sön­li­che Ent­fal­tung getra­gen und erwei­tert die­ses Ide­al auf alle auf die­sem Pla­ne­ten leben­den Men­schen sowie auf die erst in Zukunft hier leben­den Genera­tio­nen.“

(Die Gro­ße Trans­for­ma­ti­on, Kapi­tel 19: Schei­tert die Gro­ße Trans­for­ma­ti­on an poli­ti­schem Ver­sa­gen?, U. Schnei­de­wind)

Er wäre kein lang­jäh­ri­ger Prä­si­dent eines der füh­ren­den „Nach­hal­tig­keitsthink­tanks“, wenn Uwe Schnei­de­wind nicht auch über das Buch ver­teilt zu allen ener­gie­po­li­ti­schen, gesell­schaft­li­chen, bil­dungs­po­li­ti­schen und wirt­schafts­po­li­ti­schen The­men („Suf­fi­zi­enz­po­li­tik“) Hin­wei­se und Hand­lungs­op­tio­nen anbie­ten wür­de.6

Quel­le: Die Gro­ße Trans­for­ma­ti­on (Screen­shot)

Den Lesern, die sich nicht zu den Ent­schei­dern in Wirt­schaft und Poli­tik zäh­len, hat der Autor einen eige­nen Abschnitt gewid­met, in dem sich auch Men­schen wie­der­fin­den kön­nen, die ange­sichts der Her­aus­for­de­run­gen, eine Zivi­li­sa­ti­on zur Nach­hal­tig­keit umzu­ge­stal­ten, jeg­li­che Ver­än­de­rung als Zumu­tung emp­fin­den.7

Damit ist eine Zukunft gemeint, die uns die gesell­schaft­li­chen Errun­gen­schaf­ten der Moder­ne (Frei­heit, per­sön­li­che Ent­fal­tung, Frie­den, Gerech­tig­keit) erhält, ohne auf immer wei­te­res mate­ri­el­les Wachs­tum ange­wie­sen zu sein. … In unse­ren Köp­fen sind Welt­sich­ten, Visio­nen und Para­dig­men ver­an­kert. Hier sind wir die Kin­der unse­rer Zeit. Aber in unse­ren Köp­fen kön­nen wir sie auch ver­än­dern und zur Grund­la­ge einer ande­ren Gestal­tung der Welt machen.

Kapi­tel 22: Pio­nie­re des Wan­dels als Moto­ren der Gro­ßen Trans­for­ma­ti­on

Fazit

Auch wenn beim Lesen manch­mal vor Bezü­gen und Quer­ver­wei­sen, Zita­ten und Gra­fi­ken die Augen trä­nen – die­ses Buch kann und soll Mut machen. Nicht nur denen, die Ver­ant­wor­tung für ande­re tra­gen (tun wir das nicht alle?), son­dern auch denen, die ange­sichts der Her­aus­for­de­run­gen und der Lang­sam­keit von gesell­schaft­li­chen Pro­zes­sen der Mut zum Wei­ter­ma­chen ver­lässt. Wir sind näm­lich alle „Pio­nie­re des Wan­dels“, „die sich ent­lang der drei Dimen­sio­nen von Wis­sen, Hal­tung und Fähig­kei­ten ori­en­tie­ren“.

Erst im Zusam­men­spiel von Wis­sen, Hal­tung und Fähig­keit bil­det sich die indi­vi­du­el­le Zukunfts­kunst her­aus, d.h. ein ganz per­sön­li­cher »Mög­lich­keits­sinn« […], ein reflek­tier­tes Gefühl der Selbst­wirk­sam­keit, um zu Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen im Sin­ne einer gro­ßen Trans­for­ma­ti­on bei­zu­tra­gen.

Kapi­tel 22: Pio­nie­re des Wan­dels als Moto­ren der Gro­ßen Trans­for­ma­ti­on

  1. Nach mir die Sint­flut!“ 

  2. Uwe Schnei­de­wind (* 8. Juli 1966 in Porz bei Köln) ist ein deut­scher Poli­ti­ker (Grü­ne) und Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler. Seit dem 1. Novem­ber 2020 ist er Ober­bür­ger­meis­ter der ber­gi­schen Groß­stadt Wup­per­tal. Bis 2020 war Schnei­de­wind, der zu den 100 ein­fluss­reichs­ten Öko­no­men Deutsch­lands gezählt wird, Prä­si­dent des Wup­per­tal Insti­tuts für Kli­ma, Umwelt, Ener­gie in Wup­per­tal. (https://​de​.wiki​pe​dia​.org/​w​i​k​i​/​U​w​e​_​S​c​h​n​e​i​d​e​w​ind) 

  3. The New Cli­ma­te War“, 2. Auf­la­ge 2021, 440 Sei­ten, Ver­lag Sola­re Zukunft 

  4. Die Fehl­an­nah­me, dass sich ein „grü­nes“ Wachs­tum allei­ne durch tech­no­lo­gi­sche Effi­zi­enz­stei­ge­rung und weni­ger Roh­stoff­be­darf (öko­lo­gi­scher Fuß­ab­druck) ein­stellt, durch­zieht unser Wirt­schafts­sys­te­me seit Jahr­zehn­ten. Mitt­ler­wei­le setzt sich die Erkennt­nis durch, dass die­se Art der Wohl­stands­meh­rung zu so genann­ten „Rebound-Effek­ten“ führt: mehr Effi­zi­enz führt zu höhe­rem Kon­sum. Dies lässt sich nur ver­mei­den, wenn wir Wohl­stand vom Kon­sum ent­kop­peln. (Schnei­de­wind, Kapi­tel 5) 

  5. Auch wenn man­chen die Opti­on einer auto­ri­tä­ren Vor­ga­be „von oben“ inter­es­sant erscheint, beinhal­tet sie doch von Beginn an das Schei­tern, denn kei­ne noch so wohl­mei­nen­de Vor­ga­be („Öko­dik­ta­tur“) kann Nach­hal­tig­keit effi­zi­ent umset­zen. Sie wäre auf Zwang ange­wie­sen, der inef­fi­zi­ent ist, weil res­sour­cen­in­ten­siv – und damit nicht nach­hal­tig. Dazu haben gera­de Deut­sche reich­lich Anschau­ungs­ma­te­ri­al aus der Geschich­te… 

  6. Zu Suf­fi­zi­enz­po­li­tik auch Micha­el Kopatz, Öko­rou­ti­ne 

  7. Oder auch Popu­lis­ten nach­lau­fen, die ihre eige­ne Denk- und Hand­lungs­faul­heit hin­ter der Aus­re­de ver­ste­cken, etwas sei nicht „zumut­bar“. Denn am unzu­mut­bars­ten ist das Behar­ren auf einen Zustand, der nicht mehr halt­bar ist. 

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