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leben, technik und kommunikation

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31.05.200423.01.2022

Nun sicher, Produkthaftungs- und Gerätesicherheitsrichtlinien kommen und gehen, Maschinen und Anlagen werden genauso gefertigt wie die Konsumgüter, die damit hergestellt werden. Und für alle werden natürlich technische Dokumentationen nach den gängigen und verlangten Standards erstellt und mit den Maschinen (oder zumindest kurz darauf) verteilt. Da aber beginnt die Krux: was ist eine technische Dokumentation und wer erstellt sie?

Unbeeindruckt von europäischen Normen wird in der deutschen Landschaft des Anlagen- und Sondermaschinenbaus unter der technischen Dokumentation nicht unbedingt eine produktbegleitende Information verstanden, die dem Betreiber eine sichere und effiziente Bedienung und Handhabung seines Produkts ermöglicht, sondern je nach Herkunft und Betrieb etwas anderes:

  • bei den Konstrukteuren besteht eine technische Dokumentation aus einem Berg sorgfältig geplotteter Zeichnungen und Skizzen, die je nach technischer Ausrüstung auch isometrisch oder sonstwie räumlich sein können.
  • bei den Verfahrenstechnikern liegt der Schwerpunkt dagegen mehr auf den komprimierten chemisch-technischen Zusammenhängen und dem Hintergrundwissen, dass für ein tieferes Verständnis sicherlich notwendig sein mag, den Bediener jedoch ohne ein vorausgehendes Studium erdrückt.
  • in der Marketing- und Vertriebsabteilung, die dieses Produkt erfolgreich verkauft hat, ist die Zielsetzung eine Besänftigung der »Nachkaufreue«, die sich beim Betreiber einstellen könnte, wenn er feststellen sollte, dass die ausgegebene Summe in keinem Verhältnis zu der angepriesenen Leistung oder dem eigenen geschäftlichen Erfolg steht. Diesem Umstand begegnet man am besten mit Statistiken zur Kundenzufriedenheit und allgemeinen Aussagen zum »Return-on-investment« (ROI) in der Form langer Tabellen und abstrakter »Charts« mit bunten Männchen auf Hochglanzpapier.
  • beim Kunden schließlich herrscht die Erwartung vor, dass er nun ein selbsterklärendes (und selbstlernendes) Produkt erworben hat, das einen Blick in eine wie auch immer geartete Information überflüssig macht. Technische Dokumentation als Ballast und in dringenden Fällen auch Nachschlagewerk.

Alle haben sie Recht. Natürlich ist eine technische Dokumentation irgendwie alles gleichzeitig. Aber eben nur irgendwie. Welche Informationen schließlich in die Benutzerhandbücher einfließen, welche in Form von Grafiken und Tabellen umgesetzt werden und welche auch niemals in der Dokumentation auftauchen (schon deswegen, damit die Konkurrenz nicht einfach nur kopieren muss) – diese Entscheidung trifft der technische Redakteur.

Wer aber ist das, der »technische Redakteur«? Es soll Betrieb geben, da macht so etwas die Dame vom Einkauf, indem sie einfach alles zusammenkopiert, was ihr der Chef so vorlegt. Es gibt Betriebe, die haben gar keinen »technischen Redakteur«, sondern lagern – falls dem Kunden einmal doch die zusammenkopierten Informationen nicht ausreichen sollten – an einen externen Dienstleister aus. Von diesem wird dann neben der Verarbeitung der eigentlichen Information auch verlangt, dass er die unternehmensspezifischen Begriffe beherrscht, sich in der besonderen Materie sicher bewegt, die Vertriebs- und Distributionswege des Herstellers kennt und die Wünsche der Kunden erahnen kann – ob sie nun in Singapur sitzen oder in Dallas, Texas …

Mit anderen Worten: technische Redakteure beiderlei Geschlechts sind wahre Meister der Kommunikation. Sie beherrschen komplexe Satz- und Layoutprogramme, kennen sich in den Tücken moderner Officeprogramme aus, erstellen in kürzester Zeit komplizierte technische Illustrationen, verarbeiten aktuelle didaktische Erkenntnisse über den Perzeptionshorizont (dolles Wort!) der Leser/Kunden und verstehen die Produkte selbst besser als der Ingenieur, der die Informationen liefert.

Schätzen Sie sich glücklich – ach was: auserwählt, wenn solch einen Mitarbeiter und Kollegen haben. Meist sind technische Redakteure echte Randgruppen der Industriegesellschaft. Quereinsteiger, Umgeschulte, Zwangsversetzte, selten auch Idealisten oder technikverliebte Ästheten.

Oft teilen sie das selbe Schicksal: Niemand schätzt ihre Leistung – weder ein noch hoch – und zeigt ihnen damit, dass sie auch ein anerkanntes Mitglied der industriellen Gesellschaft sind. Wenn die Dokumentation schlecht ist, wars der Redakteur, wenn sie gut ist, liest sie keiner. Dies ist zumindest ein weit verbreiteter Glaube unter den Redakteuren, der auch nicht von ungefähr kommt. Es gibt keine richtige offizielle Ausbildung zum technischen Redakteur, die etwa der eines Ingenieurs gleichgestellt wäre (von der eines technischen Illustratoren ganz zu schweigen).Alle bisherigen Anstrengungen in dieser Richtung sind getragen vom Ehrgeiz der Redakteure selbst. Hochschulen reagieren darauf – wenn überhaupt – mit einem Zusatzfach; so als ob man unter Maschinenschreiben eine Zusatzqualifikation versteht. Das wissen die Redakteure selbst auch. Und sie leiden darunter. Die Quereinsteiger, weil sie befürchten, durch eine vielleicht nur unwesentlich besser qualifizierte Konkurrenz aus dem Feld gedrängt zu werden, die qualifizierten Neueinsteiger, weil sie den sorgsam gehüteten Erfahrungsvorsprung niemals werden einholen können, die Idealisten, weil sie befürchten, diesen Idealismus irgendwann ob der verbreiteten Ignoranz zu verlieren.

Meine Damen und Herren technische Redakteure: Wann haben Sie sich außerhalb Ihres Kollegenkreises schon einmal angeregt über ihre Tätigkeit unterhalten? Ja, wenn Sie behaupteten, Sie seien Maler oder Arzt oder Künstler oder Anwalt, dann stoßen sie auf Meinungen und Urteile – vielleicht nicht immer angenehme, aber zumindest Vorstellungen zu Ihrer Tätigkeit. Aber wenn Sie sagen, Sie seien technischer Redakteur? In den Augen Ihrer Gesprächspartner finden Sie vermutlich mehr Fragezeichen als sie jemals in einer Dokumentation verwenden dürfen.

Und dann kommt garantiert entweder das kleinlaute »Coming-out«, die Handbücher würde man sowieso nie lesen – meist gefolgt von der Begründung, sie seien völlig unverständlich (leider stimmt das häufig auch noch), oder aber der Gesprächspartner erwidert ein matt interessiert wirkendes »Ach?« und fragt Sie, ob Sie wenigstens einen spannenden Urlaub hatten …

Wie hält man das aus? Wie verdient man unter diesen Bedingungen sein Brot? Viele Kollegen wandern ab in die innere Emigration und haben eigentlich keine Vorstellung von dem, warum sie diese Arbeit machen. Andere mutieren zu empfindlichen Pflänzchen, die schon auf die leiseste Kritik an ihrer Leistung mit Ablehnung und Aggression reagieren. Meist folgt eins auf das Andere. Alle aber graben sich ein, werden stumpf gegenüber Innovationen in ihrem eigenen Bereich.

Meine Damen und Herren aus der Unternehmensleitung: Ob Sie einen eigenen Redakteur beschäftigen oder aber Externe beauftragen: denken Sie daran, dass die meisten Redakteure über ihren Beruf keine hohe soziale Akzeptanz erfahren, dass sie dauernder Kritik aus dem eigenen Unternehmen ausgesetzt sind und kein etabliertes Berufsbild vorweisen können. Sie sind empfindliche Pflänzchen, auf die Sie angewiesen sind, wenn Sie auch nur ein einziges Produkt verkaufen wollen.

Schonen Sie Ihren Redakteur! Sie könnten ihn noch brauchen …

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redaktion

Tech docs don’t sell

30.03.201818.04.2018

Wenn sich schon Technische Dokumentation schlecht verkauft, müssen wir es nicht auch tun.

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