Home-Office für Laien

Wenn mor­gens eine Stun­de im Win­ter jog­gen und eisen­har­te Ter­min­pla­nung nicht so ganz Ihr Ding sind und ande­rer­seits auch die stän­di­gen Zoom-Calls von der Arbeit abhal­ten, dann sind Sie nicht allei­ne. Gera­de in Zei­ten, in denen Home-Office auch gefor­dert wird, um die Mit­men­schen und sich selbst zu schüt­zen, fällt auf, wie sehr unse­re Berufs­welt auf Prä­senz aus­ge­rich­tet ist. Damit sind nicht die Jobs gemeint, die es ohne Prä­senz nicht gibt – Pfle­ge­be­ru­fe oder Trans­port bei­spiels­wei­se, son­dern die Beru­fe, bei denen man sich etwa acht Stun­den am Tag an einem kli­ma­ti­sier­ten Schreib­tisch auf­hält, unter­bro­chen nur von einer Mit­tags­pau­se in der Kan­ti­ne oder dem Gang in die Kaffeeküche.

Was ger­ne dabei über­se­hen wird: die­se Unter­bre­chun­gen sind es nicht nur, die am hei­mi­schen Arbeits­platz feh­len, sie sind es auch, die für die Arbeit drin­gend benö­tigt wer­den. Der gele­gent­li­che kur­ze Aus­tausch mit Kolleg*innen auch ohne Bezug zur Arbeit oder der Plausch im Tür­rah­men über die Urlaubs­pla­nung gehö­ren zu den Errun­gen­schaf­ten, ohne die jed*r Mitarbeiter*in zum rei­nen Auto­ma­ten abstumpft. Die­se Kom­mu­ni­ka­ti­on ist nicht nur mensch­lich, als sozia­les Wesen, die wir Men­schen nun mal sind, ist sie sogar lebens­wich­tig.1

Die Her­aus­for­de­rung ist also, die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sze­na­ri­en „nach­zu­bau­en“, die für unser Wohl­be­fin­den wich­tig sind – und gleich­zei­tig viel­leicht sogar jene Kom­mu­ni­ka­ti­on zu ver­mei­den, über die wir uns in einer „nor­ma­len“ Arbeits­um­ge­bung immer ärgern. Nie ansprech­ba­re Vor­ge­setz­te, lau­ni­sche Kolleg*innen, ner­ven­de Tele­fo­ne, Stra­ßen­lärm – alles das, was die meis­ten Büroarbeiter*innen halt so aufs Wochen­en­de freu­en ließ…

Die Cloud ist dein Freund

Schon klar, in vie­len deut­schen Büro­um­ge­bun­gen ist die Cloud wenn nicht unter­sagt, dann zumin­dest mit Arg­wohn gese­hen. Das soll­te im Home-Office aber nicht davon abhal­ten, sie für jene Tätig­kei­ten zu nut­zen, die der Kom­mu­ni­ka­ti­on die­nen. Bloß weil die IT sich nicht mit Teams beschäf­ti­gen möch­te oder Zoom aus Daten­schutz­grün­den ablehnt (obwohl flei­ßig per Mai­l­an­hang Unter­la­gen ver­teilt wer­den), ist sie für die pri­va­te Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Arbeits­kol­le­gen ja nicht schlecht. Auch Tex­te und Noti­zen kön­nen nicht nur mit Word geschrie­ben werden.

Damit man aber auf dem Fir­men­rech­ner kei­ne Soft­ware instal­lie­ren muss, soll­te man die Werk­zeu­ge nut­zen, die sich über einen Brow­ser bedie­nen las­sen. Dann muss spä­ter nichts deinstal­liert wer­den und alle Infor­ma­tio­nen las­sen sich mit dem sel­ben Account von allen Gerä­ten aus abrufen.

Cloud eben.

Slack, frisch eingerichtet

Für das Home-Office soll­te man dazu zwei Werk­zeug­ty­pen unterscheiden: 

  • Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tools für Tex­te (Chats) und Video, idea­ler­wei­se sogar kom­bi­niert. Die­se Tools soll­ten zumin­dest kos­ten­los sein, da sie nicht für die eigent­li­che Arbeit benö­tigt wer­den, son­dern für den schnel­len Aus­tausch zwi­schen­durch („Hast Du um 3 Zeit für ein Mee­ting mit A und B?“ – „Vier­tel nach?“ – „OK“), für den sich kei­ne Mails loh­nen und ein Anruf nur stört. Slack ist ein sol­ches Tool, das sich unbe­fris­tet nut­zen lässt, aber in der kos­ten­lo­sen Ver­si­on einen leicht ein­ge­schränk­ten Funk­ti­ons­um­fang besitzt.
  • Orga­ni­sa­ti­ons­tools für den Über­blick über die klei­nen „Könn­test-Du-mal-schnell-Auf­ga­ben“, die im All­tag immer wie­der auf­tau­chen, wenn man sie am wenigs­ten benö­tigt. Die­se Soft­ware soll­te zwar auch nichts kos­ten, sie muss aber die Mög­lich­keit haben, mit Kolleg*innen Tex­te und Doku­men­te aus­zu­tau­schen, Auf­ga­ben anzu­le­gen, Noti­zen abzu­le­gen oder ähn­li­ches. In die­sem Zustän­dig­keits­be­reich liegt bei­spiels­wei­se Ever­no­te. Oder man nimmt Drop­box und Drop­box Paper als inte­grier­te Lösung für die gemein­sa­me Dokumentennutzung.

Das Unvermeidliche als Gelegenheit

Es ist näm­lich wenig hilf­reich, pro­duk­tiv und befrie­di­gend, sich gegen eine Not­wen­dig­keit zu weh­ren, die die Ver­nunft gebie­tet. Statt im Home-Office dem Flur­funk nach­zu­trau­ern, soll­ten wir lie­ber die Gele­gen­heit nut­zen, unse­re ver­trau­ten Abläu­fe zu hin­ter­fra­gen und die Mög­lich­kei­ten aus­lo­ten, die die Tech­nik uns bie­tet. Erstaun­li­cher­wei­se erge­ben sich dar­aus meist völ­lig neue Ein­sich­ten: zahl­rei­che Unter­neh­men haben näm­lich bereits begon­nen, Home-Office als Kos­ten­vor­teil zu begrei­fen. Denn selbst wenn sie den Mitarbeiter*innen die Aus­rüs­tung stel­len, fal­len für Mee­tings, Rei­sen und Spe­sen wesent­lich weni­ger Kos­ten an. Kun­den­kon­tak­te wer­den nicht mehr allei­ne durch Klin­ken­put­zen auf­recht erhal­ten, son­dern durch regel­mä­ßi­ge Videochats…

Und für die Von-Daheimarbeiter*innen stellt sich die Fra­ge, was sie mit der ein­ge­spar­ten Pen­del­zeit anfan­gen. Und ob man wirk­lich jeden Tag ins Büro muss, um dort die glei­che Arbeit mit mehr Stress zu erledigen.


  1. Aller­dings ist genau die­se sozia­le Inter­ak­ti­on am Arbeits­platz und in Bil­dungs­ein­rich­tun­gen genau das Ein­tritts­tor für Pan­de­mien wie Covid-19, die uns als Wir­te nut­zen. Um Viren das Leben schwer zu machen und sie an der Ver­brei­tung zu hin­dern, müs­sen wir zumin­dest eine gewis­se Zeit auf das ver­zich­ten, was uns Men­schen aus­macht.