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Technische Kommunikation: Wenn Moses nicht zum Berg geht…

18.06.202207.10.2023

Vor 10 Jahren hatte ich mit Studierenden auf der deutschsprachigen Fachmesse für technische Kommunikation (die „tekom“) überschlagen, dass es ca. 19 Jahre dauern würde, alle offenen Stellen im Bereich der Technikredation und -kommunkation zu besetzen. Und zwar ohne die Stellen einzurechnen, die aufgrund des Ruhestands in diesem Zeitraum sowieso frei werden.

Zeit für ein kurzes Zwischenfazit: Es sieht eher schlimmer aus.

Status Quo beim Nachwuchs

brown ants on green surface
Photo by Jimmy Chan on Pexels.com

Gleich vorweg: unser Nachwuchs (das sage ich mal als langjähriger Lehrbeauftragter) ist nicht wohlstandsverwöhnt oder hat eine überzogene Vorstellung einer „Work-Life-Balance“. Im Gegenteil, der Nachwuchs weiß sehr genau, was er möchte und was er kann.

Und was kann der Nachwuchs so?

Was der Nachwuchs in der technischen Kommunikation kann oder zumindest erlernt, ist ein erstaunlich breit gefächertes Wissen über Technik, Physik, Informationstechnologie, Bildbearbeitung, Kommunikation, Medien, Projektmananagement, Teamarbeit, social media, Übersetzungsmanagement, Psychologie und gesellschaftliche Zusämmenhänge. Es ist die Schnittstelle von Gesellschaft, Technik und Kommunikation.

Dabei ist Technik nicht nur das Produkt an sich, sondern umfasst auch alle Prozesse, die mit der Entstehung des Produkts und seines „Lebenszyklus“ zusammenhängen: angefangen bei der Konzeption und Entwicklung über die Verwendung und Entsorgung bis hin zu seiner gesellschaftlichen Relevanz. Das ist eine ganze Menge an Wissen und Kompetenzen, die die Studierenden nur kooperativ erwerben können, weil es über das individuelle Leistungsvermögen weit hinausgeht.

Und Kooperation ist eine der Schlüsselqualifikationen für die Bewältigung der enormen Herausforderungen, denen sich die Studierenden – wie auch wir alle – in den kommenden Jahren und Jahrzehnten stellen werden müssen.

Sollte sich das als ziemlich aufgeblasen anhören, so stimmt das in gewisser Weise sogar, denn technische Kommunikation ist ein Studium, dass es in Deutschland nur an wenigen Hochschulen gibt – und aufgrund seiner Breite natürlich nicht innerhalb einer Regelstudienzeit jeweils in einer großen akademischen Tiefe durchdrungen werden kann.

Die Absolventen sind Allrounder in der Technikkommunikation. Also das, was auf dem Arbeitsmarkt halt so gefordert wird, um kommunikative Probleme zu lösen, in die uns ein Denken in „Informationssilos“ erst gebracht hat.

Was wollen die denn?
Photo by Tobias Bjørkli on Pexels.com

Tja, und hier kommt die bittere Erkenntnis: was sie nicht wollen, ist ein klassischer Job in der Technikredaktion. Zumindest nicht das, was sich die meisten Unternehmenslenker und Personalchefs halt so vorstellen. Nur ein Bruchteil der Absolvent:innen möchte Handbücher schreiben, Wartungstabellen abtippen und zusammenstellen, Schmierstofflisten aktualisieren, Handlungsanweisungen umformulieren, PDFs erstellen, Inhaltsverzeichnisse formatieren, … – halt einfach keine Tippkraft für technische Ergüsse sein.

Und es wäre auch jammerschade, denn die Kompetenzen reichen so viel weiter als bis zum nächsten Abschnittsende einer Montageanleitung.

Das mag man als Verantwortlicher in den Unternehmen beklagen, weil anscheinend „niemand“ mehr „richtig arbeiten“ will, es ist aber auch eine Reaktion auf die veränderten gesellschaftlichen Ansprüche an Technik, ihre Vermittlung und die soziale Anerkennung der Expert:innen, die dafür zuständig sind. Oder andersherum: die klassische Dokumentation wird „da draußen“ immer weniger benutzt, daher sinkt ihr gesellschaftlicher und informativer Gebrauchswert – und das führt dazu, dass die Produktion derartiger Informationen stark an Motivationskraft verliert. Wer reitet schon gerne ein sterbendes Pferd?

Darauf reagieren Studierende früher, da sie keinen betriebswirtschaftlichen und unternehmenspsychologischen Ballast mitschleppen müssen („Meine Mitarbeiter können alle nur Word.“, „Das hat doch immer gut funktioniert.“). Die Studierenden sind in einer Welt aufgewachsen, in der Information immer zur Verfügung gestellt wird, in der es kein „Das-sage-ich-nicht-weil-ich-sonst-überflüssig werde“-Denken gibt. Im Gegenteil, sie werden von stupider Arbeit abgeschreckt – und der Fachkräftemangel gibt ihnen recht: In einer Gesellschaft, die Traktoren baut, schickt man Arbeitskräfte nicht mit Grabstock aufs Feld.

Wohin aber gehen wir?

Let’s face it: Der Fachkräftemangel verschwindet nicht wieder, er wird nur größer. Die Industrialisierung hat einen Prozess in Gang gesetzt, der nicht mehr umzukehren ist ((Außer wir zerstören die komplette Zivilisation – aber das ist ein anderes Themenfeld in diesem Blog.)). Die Zeit stumpfsinnigen Drehens an Schrauben, wie sie noch Chaplin persifliert hatte, ist vorbei. Und das ist auch gut so.

Leider aber haben noch nicht alle Personen in leitenden Positionen diesen Wandel der letzten 20 Jahre mitbekommen. Die Bewerber:innenzahlen auf offene Stellen in der Technikkommunikation fallen ins Bodenlose und die Zeit bis zur Neubesetzung liegt teilweise im Bereich von 6-12 Monaten. Entsprechend werden die Rufe immer verzweifelter, „die Jugend“ möge doch bitte „arbeitswilliger“ sein. Und versteht unter diesem „arbeitswillig“ (optional auch „leistungsbereit“), dass dabei eine sehr eindimensionale Vorstellung von „Arbeit“ oder „Leistung“ in der eigenen Vorstellung herumspukt.

Seien wir ältere Semester doch ehrlich zu uns selbst: wir haben eine Generation zur Selbständigkeit im Denken und Handeln erzogen, und wundern uns jetzt darüber, dass sie es auch tatsächlich macht? Die sogar beste Voraussetzungen mitbringt, die Probleme zu lösen, die wir mitverursacht haben? Wir sollten lieber froh sein, dass der Nachwuchs in der technischen Kommunikation mit anderen, neuen Perspektiven die Herausforderungen und Probleme angeht, die wir mit immer den gleichen Mitteln zu lösen versuchen, mit der wir sie verursacht haben.

Statt also als Gesellschaft und Unternehmen vergeblich darauf zu hoffen, dass Moses zum Berg geht, muss der Berg zu Moses. Sonst kommen wir nämlich nicht rechtzeitig zusammen. Und Zeit haben wir wahrlich keine mehr angesichts der Lage – auch auf dem Arbeitsmarkt.

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