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leben, technik und kommunikation

Bildungsfern

22.08.2008

Man muss sich die Argumentation mal auf der Zunge zergehen lassen:

Kerstin Schneider, Professorin für Finanzwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal, hat durch ihre bildungsökonomische Forschung ((Was es nicht so alles gibt, für das man Steuergelder ausgeben kann.)) erfahren: „Mit mehr Geld wird Schule nicht automatisch besser.“ (faz.net)

Interessant ist nicht die dummdreiste Pauschalisierung, die auch dem Schreiber in der FAZ untergekommen sein mag, sondern die Person, die sich zu diesem Thema äußert: Eine Professorin für Finanzwirtschaft, mithin eine als schon fast bildungsferne Schicht zu bezeichnende Gruppe in der deutschen Gesellschaft, die sich seit Jahren vehement gegen Leistungstests bei Hochschullehrern sperrt.
Aber es geht noch weiter:

Doch warum ist sich dann alle Welt so einig, dass mehr Geld so viel bewirkt? Wößmann erklärt: Diejenigen, die von höheren Ausgaben profitierten, nämlich die Eltern und die Lehrer, seien in Interessengruppen organisiert und artikulierten sich lauter als die Steuerzahler, die das finanzieren müssten. ((Herr Wößmann arbeitet am am Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München und lehrt Bildungsökonomik an der Münchener Ludwig-Maximilian-Universität. Auch dieser Herr hat von der Tragweite einer bildungspolitischen Entscheidung nur insofern profitiert, als dass er in Wirtschaften forscht.))

Nächste Frage: Sind Eltern denn keine Steuerzahler? Und sollte man nicht für ein ausgebautes statt ausgehöhltes Bildungssystem sorgen?
Sicher, in der deutschen Bildungsmisere läuft Vieles nicht so, wie es idealerweise wäre. Aber der ökonomisch-sozialdarwinistische Hammer ist der denkbar Schlechteste. Die oben zitierten Personen jedoch benutzen als Grundlage ihre sehr eingeschränkten Messmethoden, die auf eine PISAisierung und das Schüler-Lehrer-Verhältnis sowie das Schüler-Computer-Verhältnis als Messgrößen basieren. Das ist ja so, als ob ich aus der Menge der Buchstaben auf einer Buchseite auf die Qualität seines Inhalts schließen wollte ((„Sollen wir die Seitenränder verkleinern, um die künstlerische Qualität zu verbessern?“
😉
))
Und ich kann auch kein Patentrezept liefern. Was ich aber mit Sicherheit weiß, ist die immense Bedeutung nicht ökonomisch messbarer Faktoren, die auf die Pädagogik Einfluss haben: Persönlicheitsbildung, Sozialkompetenz, Allgemeinbildung, Abstraktionsfähigkeit, Neugierde, um nur ein paar zu nennen. Nur — denen kann man nicht mit „bildungsökonomischen“ Maßstäben beikommen. Aber ich könnte ja mal meine Mutter fragen, die hat mal in den 50ern am Ausgleichsamt gearbeitet. Das sollte sie auch qualifizieren.

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