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Zielgruppen und die Leichtigkeit des Seins

21.07.201817.08.2018

Wir Technikredakteure haben es gut (im Gegensatz zu den Kollegen und artverwandten Berufen im Journalismus und in der Pädagogik): wir brauchen keine Meinung, wir haben die Fakten.

Egal welcher politischen oder daseinsübergreifenden Überzeugung wir anhängen, ein Toaster ist ein Toaster und kein Gestaltwandler. Unser Job bringt es mit sich, dass wir uns fast ausschließlich mit konkreten Dingen beschäftigen: was wir beschreiben, lässt sich auf die eine oder andere Art manipulieren, mit der Hand bedienen.

In anderen Sparten der Informationsverarbeitung wie im Journalismus oder auch in Lehrberufen ist das wesentlich schwieriger: gesellschaftliche Zusammenhänge oder statistische Modelle haben zwar einen wesentlich größeren Einfluss auf das Leben auf diesem Planeten und in unserer Gesellschaft, aber sie sind auch wesentlich schwerer zu vermitteln als ein Toaster.

Das ist bequem für die Technikredakteure und entspannt ihr Dasein nicht unerheblich, da kaum jemand wegen der Dokumentation eines Toasters eine Regierungskrise oder einen Tweetstorm auslöst, aber es führt umgekehrt auch dazu, dass wir als Redakteure dazu neigen, uns auf unsere kleine Insel der Faktenreproduktion zurückziehen.

Leider – oder glücklicherweise – besteht die Welt aber nicht nur aus Fakten, sondern auch aus Meinungen, Überzeugungen, Glauben und Gefühlen.

Fresko an der mittelalterlichen Kathedrale von Lincoln

Das lässt sich im Alltag auch nie voneinander trennen, denn so wie hier im Fresko der Löwenkopf und das menschliche Gesicht ineinander fließen ((Vermutlich hatte der Bildhauer in seinem Leben nie einen Löwen gesehen und daher die Idee eines Katzenmenschen als „König der Tiere“ sehr stark vermenschlicht und ins Phantastische verschoben. – „Lion King“ oder „Beauty and the Beast“?)), so arbeitet der menschliche Verstand immer: was wir nicht wissen, füllen wir durch Vermutungen auf.

Aber auch Vermutungen – im Bereich der Technikredaktion ist beispielsweise die Idee der „Zielgruppe“ keine Empirie, sondern ein windelweicher Marketingbegriff – sind keine Fakten. Im Gegenteil, sie speisen sich aus persönlichen Erfahrungen, Hörensagen, zeitgeschichtlichen oder gesellschaftlich verankerten Vorurteilen.

Wir müssen erkennen, daß der Mensch kein Wesen ist, dem es auf Genauigkeit und Wahrheit um jeden Preis ankommt. (M. Koch-Hillebrecht: Der Stoff, aus dem die Dummheit ist – Eine Sozialpsychologie der Vorurteile)

Auch als Technikredakteure bringen wir diese menschliche Eigenschaft in unsere Arbeit ein, wir können ja gar nicht anders. Denn selbst wenn wir meinen, wir selbst verstünden genau, wovon wir schreiben, haben wir nur ein ungefähres Bild vom Rezipienten unserer Dokumentation: Woher wollen wir wissen, ob er nicht unter dem Begriff „Wartung“ oder „Schaltfläche“ etwas ganz anderes versteht als wir?

Oder er hat eine abweichende Vorstellung vom Sinn und Zweck unserer Dokumentation als wir Verfasser? Vielleicht ist es nur verschwendeter Platz im Regal oder auf der Festplatte?

Wenn wir unseren Job ernst nehmen, versuchen wir natürlich, durch ständige Beobachtung des Nutzerverhaltens unsere Vorstellung anzupassen (Aufmerksamkeitsspanne? Motivation? Situativer Kontext?) – aber oft können wir gar nicht anders als ganz grob zu verallgemeinern und zu vereinfachen.

Wir sind eben nicht nur Technikredakteure, die fleißig alle Produktinformationen sammeln, sortieren und dann fehlerfrei aufschreiben. Wir leben in einer Gesellschaft, die oft auf viele Herausforderungen, denen wir in unserem Beruf täglich begegnen, noch gar keine Antworten kennt: ob Digitalisierung oder Globalisierung, ob Technikskepsis oder kulturneutrale Darstellung ((Die Darstellung eines nackten Körperteils wie dem Oberschenkel oder Bauch in einer medizintechnischen Dokumentation kann in zahlreichen Regionen dieser Welt zu schwerwiegenden Problemen führen.)) – es ist mehr gefragt als nur stumpfes Abarbeiten.

Da geht es uns nicht anders als den eingangs erwähnten Kollegen der meinungs- und wissensbildenden Zünfte: Wir müssen unsere eigene Sicht auf die Welt und ihre Zusammenhänge immer wieder reflektieren.

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