Affinity Publisher: Wenn weniger manchmal mehr ist

Lay­out? Davon las­se ich lie­ber die Fin­ger, das kann ich nicht.“ Ach, wirk­lich? Oder liegt das viel­leicht nur am fal­schen Werkzeug?

Denn nicht mit jeder Soft­ware gelingt das klas­si­sche „Mon­tie­ren“ der Sei­ten, das Zusam­men­set­zen von Text und Bild auf einem Blatt so, wie man es intui­tiv auch mit Sche­re und Kleb­stoff machen wür­de. Text­ver­ar­bei­tungs­soft­ware wie Word und Kol­le­gen sind dazu nur sehr bedingt geeig­net, sie kom­men aus der Schreib­ma­schi­nen­tra­di­ti­on und kön­nen zuver­läs­sig Blei­wüs­ten mit bun­ten Buch­sta­ben auf­hüb­schen. Aber Lay­out ist das nicht. 

Affi­ni­ty Publis­her Logo (©Serif Labs)

Und weil das so umständ­lich ist, grei­fen die ganz Ver­zwei­fel­ten zu einem Pro­gramm, mit dem sich zwar anspre­chen­de Bild­schirm­prä­sen­ta­tio­nen „lay­ou­ten“ las­sen, weil man die Bild- und Tex­trähm­chen so mun­ter her­um­schie­ben kann: Power­Point. Damit macht man zwar net­te Foli­en, es ist aber immer noch kein Lay­out. Für mehr­sei­ti­ges Lay­out und den Her­aus­for­de­run­gen1 des Lay­outs ist ein sol­ches Pro­gramm ungeeignet.

Auf der ande­ren Sei­te ste­hen die Rie­sen des pro­fes­sio­nel­len Umfelds. Klas­si­sche Pro­gram­me wie InDe­sign sind im Unter­neh­mens­ein­satz zwar uner­setz­lich, aber die Preis­po­li­tik des Her­stel­lers ist nur ver­tret­bar, wenn Mensch mit den Doku­men­ta­ti­ons­pro­duk­ten Geld ver­die­nen möch­te: knapp 24 Euro im Monat für Fly­er, Bro­schü­ren und Ver­eins­nach­rich­ten nur für ein Lay­out­pro­gramm sind ein biss­chen happig. 🥺

Damit man nicht ver­zwei­felt zu Prä­sen­ta­ti­ons­pro­gram­men grei­fen muss, bie­tet sich für kos­ten­be­wuss­te Anwen­der ein Pro­gramm an, das für knapp 55 Euro zu haben ist. Ohne monat­li­che Raten, kom­plett. Und das inter­es­san­te: es ver­fügt über fast alle Funk­tio­nen wesent­lich teu­re­rer Layoutprogramme:

Affi­ni­ty Publis­her: die Palet­ten der Sei­ten (Spreads) sind links, die der Ebe­nen und Ele­men­te rechts. Die Palet­ten las­sen sich auch ein­zeln platzieren.
  • Ver­ket­te­te Text­rah­men: statt wie in Prä­sen­ta­ti­ons­pro­gram­men ein­zel­ne Text­rah­men über Sei­ten zu ver­tei­len, kön­nen Rah­men auch über meh­re­re Sei­ten mit­ein­an­der ver­knüpft wer­den, so dass der Text im nächs­ten Text­rah­men „wei­ter­fließt“, wenn ein Absatz ein­ge­fügt oder gelöscht wird.
  • Absatz- und Zei­chen­for­ma­te: um nicht stän­dig die Grund­schrift neu for­ma­tie­ren zu müs­sen, legt man sich wie auch in einer Text­ver­ar­bei­tung Absatz- und Zei­chen­for­ma­te an. Das erhöht nicht nur die Kon­sis­tenz, es erlaubt auch das geziel­te und bewuss­te Bre­chen der Festlegung.
  • Sei­ten­num­me­rie­rung und Inhalts­ver­zeich­nis­se, Ein­zel­sei­ten- und Mehr­sei­ten­lay­out: ja, man kann damit auch schnell und güns­tig sehr anspre­chen­de Handouts und Semi­nar­ar­bei­ten erstellen… 
  • Tabel­len­funk­tio­nen
  • Farb­ma­nage­ment: bei einem eini­ger­ma­ßen farb­treu­en Moni­tor soll das gezeig­te Ergeb­nis auch dem gedruck­ten Pro­dukt ent­spre­chen, denn 5000 Fly­er neu dru­cken zu las­sen, weil alle Gesich­ter nach Son­nen­brand aus­se­hen, ist extrem ärger­lich und vor allem auch teuer.
  • Zahl­rei­che Aus­ga­be­for­ma­te, unter ande­rem druck­fer­ti­ges PDF (gera­de für Hob­by­an­wen­der ein abso­lu­tes Muss, denn wer kos­ten­güns­tig über eine Online-Dru­cke­rei bestellt, muss deren Anfor­de­run­gen genü­gen, damit der Druck­pro­zess so güns­tig wie mög­lich bleibt).
  • Objekt­bi­blio­the­ken: die Wie­der­ver­wen­dung von Objek­ten erleich­tert die Anpas­sung häu­fig ver­wen­de­ter Objek­te. Wer bei­spiels­wei­se die Far­be einer mehr­mals ver­wen­de­ten Gra­fik nur ein­mal ändern muss, spart sich nicht nur Zeit, son­dern auch Fehler.
  • Kos­ten­lo­se Bild­da­ten­ban­ken: das Pro­gramm bie­tet eine Anbin­dung an kos­ten­lo­se Bild­quel­len im Netz, wie bei­spiels­wei­se Pixabay. Nach einer Anmel­dung hat man Zugriff auf eine Unzahl von Bil­der, die man direkt aus dem Publis­her durch­su­chen kann und auf die Sei­te zieht, um sie einzubinden.

Natür­lich gibt es noch zahl­rei­che wei­te­re Funk­tio­nen, von denen selbst die Web­sei­te des Her­stel­lers Serif nur einen Teil erwähnt. Es hängt gera­de bei einer Krea­tiv­soft­ware wie dem Affi­ni­ty Publis­her vor allem von der Krea­ti­vi­tät des Benut­zers ab, wel­che Funk­tio­nen er ein­setzt. Die Soft­ware selbst stellt die­ser Krea­ti­vi­tät kei­ne Hin­der­nis­se entgegen.

Gesamtpaket

Lay­out­pro­gram­me müs­sen es schaf­fen, einer­seits allen Anfor­de­run­gen an die Mög­lich­kei­ten der Gestal­tung und des Drucks gerecht zu wer­den, auf der ande­ren Sei­te aber auch eine Effi­zi­enz bie­ten, wie sie eher Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gram­me besit­zen. Also einer­seits Text- und Bild­blö­cke mun­ter über die Sei­ten ver­tei­len zu kön­nen und ande­rer­seits ein­heit­li­chen Zei­len­fall und ‑abstand fest­le­gen zu kön­nen. Kei­ne leich­te Auf­ga­be, die sich Her­stel­ler wie Ado­be recht ansehn­lich hono­rie­ren las­sen. Umso erstaun­li­cher, wie güns­tig es auch geht, wenn man Abstri­che macht, die im All­tag kaum auffallen. 

Denn Serif hat neben dem Lay­out­pro­gramm „Publis­her“ auch zwei wei­te­re Pro­gram­me im Regal, die in den­Pu­bli­ka­ti­ons­pro­zess pas­sen: Pho­to und Desi­gner. Die inter­es­san­te Idee dabei ist, dass man nach Erwerb eines oder bei­der Pro­gramm (zu einem nied­ri­gen Preis oder als Gesamt­pa­ket) direkt in Publis­her die zusätz­li­chen Funk­tio­nen auf­ru­fen kann, ohne in das Pro­gramm zu wech­seln. Bei­spiel: Eine refe­ren­zier­te Gra­fik öff­net per Dop­pel­klick die Funk­tio­nen des Desi­gner ohne den Publis­her ver­las­sen zu müs­sen und damit auf Dau­er den Bild­schirm mit den Fens­tern und Palet­ten von drei Pro­gram­men zu pflastern.

Der Wech­sel vom Publis­her in die Per­so­na Desi­gner eröff­net die Mög­lich­kei­ten der Grafikbearbeitung.

Fazit

Es ist auch bei Lay­out­pro­gram­men nicht anders als im Leben sonst: es hängt davon ab, wel­che Zie­le und Mit­tel zur Ver­fü­gung ste­hen, denn sie ent­schei­den dar­über, wel­ches Werk­zeug geeig­net ist. Affi­ni­ty Publis­her ist ein Werk­zeug, bei dem man mit beschränk­ten finan­zi­el­len Mit­teln auch hohe Zie­le des Lay­outs pro­blem­los errei­chen kann. 

Die Zie­le aller­dings muss man selbst haben…


  1. Eine sol­che Her­aus­for­de­rung ist bei­spiels­wei­se der Wech­sel zwi­schen Kon­sis­tenz im Lay­out einer­seits, um dem Leser an die „Brand Iden­ti­ty“ zu gewöh­nen, ande­rer­seits der über­ra­schen­de Bruch mit eben­die­sen Regeln.