Adobe Creative Cloud App: Closing the loop

Wenn die Rede von Apps ist, die mit der Cloud kom­mu­ni­zie­ren, dann endet die Vor­stel­lung der meis­ten Anwen­der etwa dort, wo der Rou­ter sein Kabel hat. Alles, was sich jen­seits des eige­nen phy­sisch erfahr­ba­ren Raums befin­det, hat etwas mit Inter­net zu tun, mit Rechen­zen­tren, Daten­kra­ken und ubi­qui­tä­ren Algo­rith­men, die die tiefs­ten Geheim­nis­se und Gedan­ken des Benut­zers erfah­ren und publik machen kön­nen.

Noto­risch ist die „Cloud“, über die wir in die­sem Blog schon ver­schie­dent­lich geschrie­ben hat­ten (bei­spiels­wei­se hier und hier). Die „Cloud“ ist nun gewiss nicht die Lösung aller (digi­ta­len) Pro­ble­me, aller­dings las­sen sich mit ihrer Hil­fe zahl­rei­che Hür­den über­win­den, die sonst nur von frus­trie­ren­den Erfah­run­gen mit Daten­trä­gern zu tun haben.1

Die Cloud ist aber mehr als nur ein Daten­spei­cher oder ein Werk­zeug, um Datei­en zu öff­nen oder zu bear­bei­ten. Es ist unheim­lich bequem, ein Doku­ment in der Drop­box mit einem Pro­gramm zu öff­nen, das auf einem Micro­soft-Account liegt und dort auch gleich zu bear­bei­ten, statt es her­un­ter­zu­la­den, dort zu bear­bei­ten, dann wie­der auf den Ser­ver zu laden und damit wie­der für ande­re Anwen­der zur Ver­fü­gung zu stel­len (oder für ande­re Gerä­te, mit denen man arbei­tet). Ein Frei­be­ruf­ler, der mal schnell eine Office-For­mu­lar anpasst, wäh­rend er im Zug sitzt, es dann beim Kun­den aus­füllt und aus­druckt, um es abends nach der Rück­kehr zu archi­vie­ren – ohne auch nur ein­mal eine Kopie des Doku­ments per Down­load zu erzeu­gen oder auf einen Daten­trä­ger zu kopie­ren.

Der Arbeits­pro­zess wird zu einer Schlei­fe, die sich in ver­schie­de­nen Wen­dun­gen immer um ein ein­zi­ges Doku­ment dreht, das in der Cloud liegt und nicht bewegt wird. Anle­gen, bear­bei­ten, „dru­cken“ (als PDF, aus Umwelt­schutz­grün­den), archi­vie­ren und ver­sio­nie­ren.

Nix kopie­ren, arbei­ten.

Ohne Cloud nicht mög­lich – wenn es da nicht ein klei­nes Pro­blem gäbe: Doku­men­te besteht nicht nur aus Text und Bild und Tabel­len, son­dern auch aus Far­ben und Schrif­ten. Natür­lich reicht es für den Haus­ge­brauch aus, wenn man jedes Doku­ment ganz platt mit Times New Roman oder Ari­al schreibt. Das ist nicht ver­kehrt, sind die­se Schrif­ten ja auch weit ver­brei­tet und auch auf (fast allen) Gerä­te instal­liert – aller­dings ist das im pro­fes­sio­nel­len Ein­satz bei wei­tem zu wenig.

Falls Sie sich immer schon gefragt haben, war­um die Bro­schü­re und Fly­er, die von den Lay­out-Pro­fis erstellt wer­den , immer so viel „bes­ser“ aus­se­hen – hier kommt die Ant­wort: Fonts (auch Schrif­ten genannt). Pro­fis schrei­ben nicht ein­fach mit „irgend­was“, son­dern ver­su­chen, auch das Schrift­bild und damit den Gesamt­ein­druck an die „Mes­sa­ge“ anzu­pas­sen, die mit dem Doku­ment gesen­det wer­den soll. (Im Umfeld der Tech­nik­do­ku­men­ta­ti­on dür­fen Sie ger­ne auch hier wei­ter­le­sen: Die rich­ti­ge Schrift für die tech­ni­sche Doku­men­ta­ti­on)

An die­ser Stel­le stößt die klas­si­sche Cloud an ihre Gren­ze, denn Schrif­ten müs­sen vor der Ver­wen­dung in einem Doku­ment auf dem Rech­ner instal­liert sein, auch dem auch das Doku­ment liegt. Oder mit dem es erstellt wur­de. Mit ande­ren Wor­ten: die Schrift­in­for­ma­ti­on wird zwar mit dem Doku­ment mit­ge­ge­ben, wenn es in der Cloud liegt, aber sobald die­ses Doku­ment mit einem Gerät geöff­net wird, auf dem die­se Schrift nicht instal­liert ist, ändert sich das Aus­se­hen. Dann ver­sucht das Gerät näm­lich, das Doku­ment mit den ver­füg­ba­ren Schrif­ten anzu­zei­gen – was zu sehr uner­wünsch­ten Ergeb­nis­sen führt.

Auf PCs und Lap­tops umgeht man das Pro­blem, indem man die Schrift ein­fach nach­in­stal­liert auf allen Gerä­ten – sofern die Schrift vor­han­den ist und nicht erst teu­er gekauft wer­den muss, denn klas­si­sche Anbie­ter von Schrif­ten las­sen sich die Arbeit gut bezahl­ten.

Ado­be gehört seit weni­gen Jah­ren auch in den Kreis der gro­ßen Schrift­an­bie­ter, führt Schrif­ten aller­dings nicht als eigen­stän­di­ges Ange­bot, son­dern im Rah­men der Crea­ti­ve Cloud-Lizenz: man erwirbt eine Lizenz für die Apps und erhält den Zugriff auf Tau­sen­de unter­schied­li­cher Schnit­te und Schrift­ty­pen, die man akti­viert und die dann auf dem Rech­ner zur Ver­fü­gung ste­hen, der mit der Lizenz ange­mel­det ist. Wech­selt die Lizenz, wer­den die Schrif­ten gelöscht. Die Schrift­in­for­ma­tio­nen ste­hen dann zwar noch im Doku­ment, es sieht aber beim Öff­nen anders aus – sie­he oben.

Da Schrif­ten bis­lang außer­halb des Cloud-Zugriffs lagen, waren sie auch für iOS-Gerä­te (iPho­nes und iPads) uner­reich­bar. Denn Instal­lie­ren darf man nur, was auch im App Store ange­bo­ten wird. Die ein­zi­ge Aus­nah­me waren Abos, die in einem eige­nen Bereich abge­legt wur­den, auf den nur die jewei­li­ge App zugrei­fen durf­te. Mit iOS 13 aller­dings hat Apple einen Bereich ein­ge­rich­tet, auf den alle Apps zugrei­fen dür­fen – eine Art „All­men­de“ im Spei­cher der Mobil­ge­rä­te. Dadurch kann ein iPad auch als Daten­spei­cher genutzt wer­den – auch für Schrif­ten.

Wer über eine Crea­ti­ve Cloud-Lizenz ver­fügt, kann nun mit Hil­fe der Crea­ti­ve Cloud App die abon­nier­ten Schrif­ten auch auf ein iOS-Gerät laden („instal­lie­ren“) und dort allen Apps zur Ver­fü­gung stel­len.2

Das ist pas­sé.

Die per Lizenz akti­vier­te Schrift lässt sich auf dem iOS-Gerät instal­lie­ren und steht dort auch ande­ren Apps zur Ver­fü­gung. Damit eröff­nen sich dem Pro­fi ganz ande­re Mög­lich­kei­ten, sein iOS-Gerät zu nut­zen, denn bis­lang muss­ten die Doku­men­te auch auf dem Gerät aus­ge­ge­ben wer­den, auf dem die Schrif­ten instal­liert waren – jetzt ist es egal, auf wel­chem Gerät das Doku­ment erstellt wur­de. Aus­ge­ben geht jetzt von über­all.


  1. Es gibt doch wirk­lich kei­nen ernst­zu­neh­men­den Krea­tiv­schaf­fen­den mehr, der sich mit falsch for­ma­tier­ten USB-Sticks her­um­schlägt, oder? 

  2. Bei Micro­soft funk­tio­niert dies nur inner­halb der Office-Anwen­dun­gen. Eine Lizenz der Office 365 Sui­te erlaubt den Down­load und die Instal­la­ti­on von Schrif­ten, die nicht auf dem iOS-Gerät vor­han­den sind, aller­dings nur für ande­re Office-Anwen­dun­gen. So wird sicher­ge­stellt, dass ein Word-Doku­ment platt­form­über­grei­fend iden­tisch aus­sieht – sobald man es aber mit einem ande­ren Pro­gramm öff­net (bei­spiels­wei­se Pages), ist die Schrift ver­schwun­den.